• vom 09.01.2018, 16:11 Uhr

Klassik/Oper


Opernkritik

600 Mal Tyrannenmord




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Von Christoph Irrgeher

  • Jubiläum für Margarethe Wallmanns "Tosca"-Regie an der Staatsoper.

Edel-Tosca Angela Gheorghiu.

Edel-Tosca Angela Gheorghiu. Edel-Tosca Angela Gheorghiu.

Wer enorme Weiten bestaunen will, muss nicht unbedingt in den Himmel sehen. Es reicht ein Blick ins Archiv der Staatsoper. Seit 60 Jahren zeigt das Haus Giacomo Puccinis "Tosca" in der Regie von Margarethe Wallmann, am Freitag zum 600. Mal. Das sind nicht nur imposante Zahlen, es ist auch ein Wunder an Beharrlichkeit.

Seit der Premiere am 3. April 1958 sind, nur so zum Beispiel, Tiefkühltruhe und Transistorradio erfunden worden, Flower-Power und Mondrakete, Autoschiebedach und Personal Computer, Internet und Bobo-Bart. Während all dieser Jahre hat an der Wiener Staatsoper die Sängerin Floria Tosca den Maler Cavaradossi in den immergleichen Kostümen geliebt, hat die Uniform des Schurken Scarpia mit einem Messer durchbohrt und ist zuletzt über eine altbekannte, klotzige Engelsburg-Kulisse ins Off des Freitodes gehüpft: eine Zeitkapsel, dieser Abend.


So todsicher diese Bilderfolge, so schwankend ist freilich die Orchesterqualität. Man wünscht der 600. Aufführung etwas mehr davon, als der 599. am Montag zuteilwurde. Jesús López Cobos dirigiert mit angezogener Handbremse, vereitelt damit aber nicht ein Rudel räudiger Einsätze und erarbeitet erst allmählich das Prädikat "brauchbar". Haushoch der Unterschied zu den Sängern: Edel-Tosca Angela Gheorghiu schöpft genüsslich aus dem Pathosvollen, legt ihre Rolle zwischen verspieltem Kätzchen und reißender Tigerin an und verströmt in hoher Lage Engelstöne. Erwin Schrott, erstmals in Wien als Scarpia, stellt eine kraftpralle Saftgestalt auf die Bühne, erzeugt mit Zwischentönen aber auch geheimnisvolle Präsenz. Massimo Giordano singt sich spät, aber doch als Cavaradossi frei; Clemens Unterreiner verschafft sich als Sturm-und-Drang-Angelotti Respekt. Zuletzt Applaus für alle, gepfeffert mit den Buhrufen von ein, zwei Verdrossenen.

oper

Tosca

Wiener Staatsoper, Wh.: 12. Jän.




Schlagwörter

Opernkritik, Tosca

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Dokument erstellt am 2018-01-09 16:14:12



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