• vom 09.02.2018, 17:30 Uhr

Klassik/Oper

Update: 09.02.2018, 17:44 Uhr

Interview

Die Agentin sagte: "Das ist der Todeskuss"




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Von Christoph Irrgeher

  • Dirigent Hans Graf hat in Texas "Wozzeck" aufgenommen und einen Grammy gewonnen. Ein Interview über ein Herzensprojekt.



Holte sich seinen Grammy am Nachmittag und saß während der Gala beim Abendessen: Dirigent Hans Graf (l.), hier mit dem Aufnahmeleiter der "Wozzeck"-Einspielung, Brad Sayles.

Holte sich seinen Grammy am Nachmittag und saß während der Gala beim Abendessen: Dirigent Hans Graf (l.), hier mit dem Aufnahmeleiter der "Wozzeck"-Einspielung, Brad Sayles.© apa/afp/Getty/Theo Wargo Holte sich seinen Grammy am Nachmittag und saß während der Gala beim Abendessen: Dirigent Hans Graf (l.), hier mit dem Aufnahmeleiter der "Wozzeck"-Einspielung, Brad Sayles.© apa/afp/Getty/Theo Wargo

Wer ist Hans Graf? In Österreich ist sein Stern nie ganz aufgegangen. 1949 in Marchtrenk geboren, wurde der Oberösterreicher in Graz zum Dirigenten ausgebildet; erste Sporen verdiente er sich im Nahen Osten beim Nationalorchester des Irak. Danach ließ er hierzulande aufhorchen: 1979 gewann Graf den Karl-Böhm-Wettbewerb in Salzburg; es folgten zehn Jahre als Leiter des Mozarteum Orchesters der Stadt. Danach begann eine Karriere in Übersee; in Österreich rief sich Graf nur noch ab und zu in Erinnerung.

Nun machen die Früchte seiner amerikanischen Arbeit auch hier von sich reden. Der 68-Jährige gehört, ebenso wie sein Vorarlberger Kollege Manfred Honeck, zu den Siegern der heurigen Grammy-Gala in New York. Beim Hochamt der globalen Musikindustrie wurde Grafs Einspielung von Alban Bergs "Wozzeck" (Naxos) zur besten Opernaufnahme des Jahres gekürt. Im Interview spricht der Preisträger über ein Herzensprojekt, die Arbeitsbedingungen für Orchester in den USA und lärmige Galas.

"Wiener Zeitung":Die Grammy-Gala ist ein Tummelplatz für die Stars der Popmusik. Haben Sie Bruno Mars oder Lady Gaga erkannt?

Hans Graf: Ich kenne sie vom Namen her, habe sie bei der Grammy-Verleihung aber nicht gesehen. Ich war nämlich schon bei der Pre-Celebration am Nachmittag. Da kommen in einem kleineren Saal alle Kategorien dran, die bei der TV-Übertragung nicht genannt werden.

Bei dem großen Glitzer-Event waren Sie gar nicht?

Da war ich Abendessen. Ich hatte für die Gala zwar eine Karte, und meiner Frau haben wir eine um 850 Dollar gekauft. Aber wir sind schon am Nachmittag so laut beschallt worden, dass wir die Lust verloren haben, hinzugehen.

Der Grammy im Jänner war nicht die erste Trophäe für Ihren "Wozzeck": Er erhielt schon 2017 eine bei der deutschen Echo-Klassik-Gala.

Die Gala hat mich angewidert. Thomas Gottschalk hat als Moderator minutenlang gequatscht und immer wieder darauf hingewiesen, dass er von alldem nichts versteht; dann kam eine Handvoll Leute, die vom ZDF nach Anschaubarkeit ausgesucht worden sind. Das ganze Programm war ein Stuss. Der wichtigste Echo ist der für die besten Verkaufszahlen; da kann man sich den künstlerischen Anspruch vorstellen.

Dem "Wozzeck" kann man jedenfalls nicht vorwerfen, er sei gefällig. Das Musikportal allmusic.com kategorisiert Ihr Album mit Schlagwörtern wie "dunkel" und "makaber". Ist es nicht ein Wunder, dass so etwas in den USA Erfolg hat?

Die Grammys werden nicht vom Publikum vergeben, sondern von einer Fachjury, von einer Kennerschicht. Etwas anderes ist es allerdings, den "Wozzeck" in einer amerikanischen Konzertsaison aufzuführen.




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Schlagwörter

Interview, Hans Graf, Grammy, Wozzeck

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-09 16:32:20
Letzte Änderung am 2018-02-09 17:44:17


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