• vom 11.04.2018, 16:18 Uhr

Klassik/Oper

Update: 11.04.2018, 16:29 Uhr

Konzertkritik

Lodernde Nachtschatten




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Von Judith Belfkih

  • Liederabend von Elina Garanča im Musikverein.

Ihr Weg zum Ton ist ein sehr direkter. Auf Umwege oder üppige Verzierungen verzichtet sie. Das klangliche Umgarnen ist ihre Sache nicht. Die Stimmführung von Elina Garanča ist dabei geradlinig. Ihr warm abgerundeter Mezzosopran ist mit einem zarten Vibrato durchzogen, das Garanča bei Bedarf in feinen Nuancen zu intensivieren versteht. Doch unter der kühlen und glasklaren Zärtlichkeit, die daraus entspringt, lodert es mitunter gewaltig - was die reizvollen klanglichen Gegenpole von Elina Garančas voller werdender Stimme ausmacht.

Im Musikverein holte die lettische Sängerin am Dienstag ihren von November verschobenen Liederabend nach und sang im Goldenen Saal - mit Malcolm Martineau am Klavier als ausgezeichnetem Partner - ausgewählte Werke von Schumann, Wagner und Mahler. Dramaturgisch begann Garanča ihren Bogen bei Rückert-Vertonungen von Robert Schumann aus dem Liederkreis "Myrthen" und schloss mit ebensolchen von Gustav Mahler. Bei Schumanns Zyklus "Frauenliebe und Leben" dazwischen glänzte sie zwar nicht durch Wortdeutlichkeit, zeigte aber den emotionalen Facetten-Reichtum ihrer Interpretation - von stillem jugendlichen Verzücken über unsägliches Sehnen und satte Erfüllung hin zur absoluten Reduktion und dem Mut zur Tragik der Stille.

Information

Konzert

Elina Garanča

Malcolm Martineau (Klavier)

Wiener Musikverein

Richard Wagners Wesendonck-Lieder ließ Elina Garanča dann als herrlich üppige und doch stets fein gestaltete Opernminiaturen erblühen. Und im Finale tauchte sie die Nachtschatten von Mahlers Rückert-Liedern in klangliches fein flackerndes Zwielicht.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-04-11 16:24:10
Letzte Änderung am 2018-04-11 16:29:01


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