• vom 17.05.2018, 17:08 Uhr

Klassik/Oper

Update: 18.05.2018, 10:05 Uhr

Porträt

Ein Botschafter des Besonderen




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Von Christoph Irrgeher

  • Der Geiger Emmanuel Tjeknavorian ist auf dem Sprung zur Weltkarriere.

In der russischen und westlichen Geigenschule firm - und auch nicht um schöne Fotos verlegen: Emmanuel Tjeknavorian.

In der russischen und westlichen Geigenschule firm - und auch nicht um schöne Fotos verlegen: Emmanuel Tjeknavorian.© Uwe Arens In der russischen und westlichen Geigenschule firm - und auch nicht um schöne Fotos verlegen: Emmanuel Tjeknavorian.© Uwe Arens

Wien. Die Geschichte ist fast zu schön, um wahr zu sein. Einem aufstrebenden Künstler wie Emmanuel Tjeknavorian nimmt man sie aber ab. "Als ich unlängst im Taxi sitze", erzählt der 23-Jährige, "sieht der Fahrer meinen Geigenkasten und fängt ein Gespräch an. Am Ende sagt er, er wünscht mir so viel Erfolg, wie ihn der Geiger mit den langen blonden Haaren, also David Garrett, hat. Ich habe dem Fahrer daraufhin geantwortet, dass ich heute im Konzerthaus David Garrett vertrete. Das wollte er mir zuerst gar nicht glauben."

So war das Mitte April aber. Der Wiener mit den armenisch-iranischen Wurzeln (ausgesprochen: "Tscheknaworian") ist kurzfristig für den deutschen Feschak eingesprungen. Letzterer leidet bis heute an einem Bandscheibenvorfall, Ersterer erfreut sich steigender Beliebtheit. Trotzdem: Ist es nicht schwer, David Garrett bei einem Orchesterkonzert zu ersetzen? Fließen da nicht in den ersten Reihen bittere Fanklub-Tränen? Tjeknavorian schmunzelt bei diesen Worten, wird aber gleich wieder ernst: "Ich habe auch über diese Frage nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen: Sicher, es gibt Fanlager. Aber im Grunde werden Konzerte von musikbegeisterten Menschen besucht, die etwas Tolles hören wollen. Und dafür bin ich genauso da wie David Garrett."


Erst Matura, dann Karriere
Dass Tjeknavorian diese Sehnsucht nach dem Besonderem stillen kann, ist seit längerem verbürgt - und sein Name fällt dieser Tage immer öfter. Tjeknavorian, der Solist der "Rising Stars"-Reihe in den europäischen Konzerthäusern. Tjeknavorian, der CD-Debütant im Hause Sony mit dem hochvirtuosen Solo-Album. Tjeknavorian, der Jungmoderator auf Radio Klassik Stephansdom.

Kam diese Popularität über Nacht? Oder eher Schritt für Schritt? Letzteres, sagt der Geiger und spricht von einer natürlichen Entwicklung - nicht langsam, aber auch nicht superschnell. "Ich habe mit 14 noch nicht mit den Symphonikern gespielt, hatte mit 15 keinen Plattenvertrag mit der Deutschen Grammophon", spielt er auf Wunderkind-Biografien an.

Gegner mit Sonnenbrille
Ganz gewöhnlich war seine Jugend aber auch nicht: Tjeknavorian, Sohn eines komponierenden Dirigenten und einer Pianistin, hat sein erstes Konzert mit sieben gegeben, hat seine Volksschulzeit in Armenien verbracht und dort die russische Geigenschule studiert. Zurück in Wien, hat er als Schüler des Sacre Coeur quasi nebenbei Wettbewerbserfolge errungen. Allerdings: Er hat dann auch das gemacht, was man von gutbürgerlichen Kindern erwartet: Matura. "In der Achten saß ich irgendwann beim Direktor, dann hieß es ‚entweder oder‘." Die Zeit danach war ein "Schock": "Von September bis Mai hatte ich kein richtiges Konzert." Andererseits: "Es ist schade, dass heute nur noch wenige Musiker die Schule fertigmachen. Ich habe mich immer auch für andere Bereiche interessiert. Es ist spannend, mit ehemaligen Klassenkollegen zu sprechen und nicht nur mit Musikern unterwegs zu sein."

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-17 17:12:55
Letzte Änderung am 2018-05-18 10:05:59


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