• vom 28.05.2018, 16:29 Uhr

Klassik/Oper

Update: 28.05.2018, 16:39 Uhr

Konzertkritik

Auferstehung, ein Wunderwerk an Präzision




  • Artikel
  • Lesenswert (11)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Christoph Irrgeher


    Die schlimmsten Patienten, heißt es, seien erkrankte Ärzte. Könnte wahr sein: Mediziner besitzen nicht nur enormes Fachwissen, sie kennen auch die Fehleranfälligkeit des Systems. Aus dem Grund würden sie sich lieber selbst therapieren als einem Fremden zu trauen.

    Eine ähnliche Skepsis steckt in den Partituren von Gustav Mahler. Der Orchestervirtuose (1860-1911) hat weniger Lebenszeit mit dem Notensetzen verbracht als mit dem Dirigieren; er kannte die Verhunzungsgefahr für Meisterwerke durch mäßige Kollegen. Es kommt nicht von ungefähr, dass Mahlers Symphonien, diese tönenden Seelendramen, nur so vor Anmerkungen für Interpreten strotzen. Sicher: Diese Texte sollen auch eine Hilfestellung sein für gefinkelte Klangeffekte. Es schwingt aber auch Misstrauen mit. "Anmerkung für den Dirigenten: Alle Betonungen konsequent durchführen", heißt es in der Partitur der Zweiten Symphonie. Anders gesagt: Du, du, du!

    Information

    Konzert

    Budapest Festival Orchestra

    Wiener Konzerthaus

    Wendige Ausdrucksvielfalt

    Eine solche Extra-Einladung hat das Budapest Festival Orchestra nicht nötig. Es setzt die "Zweite" im Konzerthaus mit elektrisierender Genauigkeit um. Gemütvolle Dehnungen? Gibt’s hier nicht. Dirigent Iván Fischer hält sich präzis an die Partitur und deren Tempi entsprechend straff, stuft die Artikulation geschmeidig ab und erzeugt in 80 Minuten ein Wunderwerk an Eloquenz - vom schroffen Cellobeginn bis zum "Urlicht", das Elisabeth Kulman mit schlichter Schönheit singt. Und der Auferstehungs-Chor? Steigert sich zu klar konturierter Größe. Jubel, auch für die differenzierungsstarke Wiener Singakademie und Sopranistin Christina Landshamer.





    Leserkommentare




    Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


    captcha Absenden

    * Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2018-05-28 16:34:01
    Letzte Änderung am 2018-05-28 16:39:47


    Beliebte Inhalte

    Meistgelesen
    1. Comic-Legende Stan Lee ist tot
    2. Schweigen im Blätterwald
    3. Rene Benko steigt bei "Krone" und "Kurier" ein
    4. Dero Hochwohllöblichkeit
    5. Kritik an finnischem Rechts-Metal-Konzert in Wiener Club
    Meistkommentiert
    1. Lang lebe Europa!
    2. Kritik an finnischem Rechts-Metal-Konzert in Wiener Club
    3. Rene Benko steigt bei "Krone" und "Kurier" ein
    4. Weißes Haus verteidigt sich mit Fake-Video
    5. Presserat rügt "Wochenblick"

    Werbung




    Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher

    Das Tutu ist das Spezifikum der Ballerina, die elfengleich über die Bühne schwebt. Tilda Swinton in einem Haute Couture Kleid des Designers Schiaparelli - das sich sogar in den Schuhen und Handschuhen optisch fortsetzt.

    Gruppenbild der Jury: Präsident Guillermo del Toro (4.v.l.) gewann im Vorjahr den Goldenen Löwen für "The Shape of Water". Ganz links Venedig-Chef Alberto Barbera im Gespräch mit Christoph Waltz, ganz rechts:Biennale-Präsident Paolo Barratta. Werbung für Die Single "Baby I Love You" im Magazin Billboard 1959.


    Werbung