• vom 01.06.2018, 17:05 Uhr

Klassik/Oper

Update: 01.06.2018, 17:26 Uhr

Schönbrunn-Konzert

Kaiserwetter mit Opernkönigin




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Von Christoph Irrgeher

  • Edles Entertainment: das Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker mit Anna Netrebko.

Begeisterte ein Rekordpublikum: Anna Netrebko. - © apa/Oczeret

Begeisterte ein Rekordpublikum: Anna Netrebko. © apa/Oczeret

Die Klassikwelt steht auf keinen Fall mehr lang, sagen die Schwarzmaler. Die Popmusik, die Sozialen Medien, der Spektakel-Rummel der Gegenwart: Das alles werde der alten Dame Kunstmusik das Wasser abgraben.

Für einen Tag im Jahr lösen sich diese Bedenken aber in milde Luft auf - wenn die Wiener Philharmoniker ihr Sommernachtskonzert veranstalten. Das zieht nämlich einen solchen Massenansturm nach sich, dass die Klassik kurzzeitig in aller Munde ist. Rekord!, meldete am Freitag gar "So rockt das Leben"-Privatradiosender 88.6: 104.500 Menschen beim Sommernachtskonzert!

Information

Sommernachtskonzert
CD erhältlich ab 15. Juni

Natürlich: Es hilft dem Publikumsinteresse auf die Sprünge, dass das Event im Schlosspark Schönbrunn bei freiem Eintritt stattfindet und sich die Besucher nicht in den klassischen Konzertsaaltugenden üben müssen (die da lauten: Schweigen! Zuhören! Nicht fotografieren und saufen!). Und es haben heuer zwei weitere Umstände nachgeholfen: Zum einen ein Wetter, das tatsächlich dem Motto von einer "italienischen Sommernacht" entsprach. Zum anderen und vor allem ein Auftritt der Opernkönigin höchstselbst, also Anna Netrebko.

Ein Lockangebot, das die U4-Silberpfeile am Donnerstag gefühltermaßen im Sekundentakt in Schönbrunn einrauschen ließ. Ein Lob den Organisatoren: Die Wiener Linien und eine Heerschar an Securitys schleusten die Massen tatsächlich freundlich (!) und flüssig in den Barockgarten - einmal abgesehen von dem üblichen Stau beim Sicherheits-Check. Dort erwies sich wieder einmal: Die Bekanntheit des sommernächtlichen Decken- und Sesselverbots ist jener von Soprankönigin Anna diametral entgegengesetzt.

Gergievs Zenit der Rumsigkeit

Ganz vorn dirigierte dann ein Herr, der nur Klassikfreunden ein Begriff ist: Valery Gergiev. Über ihn wissen Kenner freilich auch: Der Russe neigt zu einem Klangbild der Marke Panzerkreuzer Potemkin, wuchtig und massiv. Genau das hat hier aber eine gewisse Berechtigung, denn im Luftraum zwischen Schloss und Neptunbrunnen verlieren sich Nuancen.

Entsprechend energisch ließ Gergiev die "Wilhelm Tell"-Ouvertüre galoppieren, streute aber hie und da auch feinen Witz ein. Danach siegte mehr und mehr die große Pose: Der "Aida"-Triumphmarsch, imposant anzusehen dank der Schlosswand-Beleuchtung, steigerte sich zum Klangkoloss, Prokofjews "Romeo und Julia"-Melodie (bekannt aus der Casinos-Austria-Werbung) erreichte den Zenit der Rumsigkeit: That’s Schönbrunn-Showbusiness.

Anna Netrebko dagegen wurde auf Piano-Rosen gebettet. Viermal ertönte ihre Luxusstimme, und die Verstärkeranlage ließ die flaumige Begleitung der Philharmoniker immerhin ahnen. Gewiss, im riesigen Freiluft-Rahmen malte auch der Opernstar mit dem dicken Pinsel, gab der ätherischen "Vissi d’arte"-Arie einen sehr erdigen Anstrich - kein Fauxpas freilich an einem Volksfest-Abend. Und die Zugabe ("Oh mio babbino caro") hat Netrebko Barockstatuen-erweichend gesungen. Glückliche Heimfahrt, auch wenn die Nerven des U-Bahn-Fahrers hörbar blank lagen: "Zug! Wird! Abgefertigt!"





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-01 17:10:09
Letzte Änderung am 2018-06-01 17:26:12


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