• vom 26.07.2018, 21:00 Uhr

Klassik/Oper


Salzburger Festspiele

Klänge einer fremden Sonne




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Von Judith Belfkih

  • Die Salzburger Festspiele werden heute mit einem Festakt eröffnet. Einer der zentralen Künstler dieses Jahr ist Beat Furrer. Der Komponist und Dirigent im Gespräch über dämmernde Sprachlosigkeiten und Ideenlosigkeit im Musikgeschäft.



"Ich habe früh wahrgenommen, dass da Klänge sind in mir. Erst später habe ich die Techniken gelernt, um ihnen eine Form zugeben."

"Ich habe früh wahrgenommen, dass da Klänge sind in mir. Erst später habe ich die Techniken gelernt, um ihnen eine Form zugeben."© David Furrer "Ich habe früh wahrgenommen, dass da Klänge sind in mir. Erst später habe ich die Techniken gelernt, um ihnen eine Form zugeben."© David Furrer

Wien. Als Weltflucht möchte er es nicht sehen, auch Eremitentum soll es nicht sein. Allerdings: Beat Furrer braucht Ruhe zum Komponieren. Und einen Raum der Stille im positivsten Sinn. Der Komponist zieht sich dafür in ein altes Bauernhaus im Gesäuse zurück. Seine Oper "Violetter Schnee" ist kurz vor dem Fertigwerden, soll im Jänner 2019 uraufgeführt werden. Das Libretto dafür schrieb Händl Klaus - nach einer Vorlage von Wladimir Sorokin. Per Videotelefonat könne man ihn gerne interviewen, vermittelt der Assistent des vielgefragten Komponisten.

Ende Juli wird Beat Furrer seine Klause verlassen - sie liegt, wie er nicht ohne Freude beim Rundschwenk mit der Laptop-Kamera zeigt, auf einer hohen Lichtung mit Blick auf liebliche Obstbäume und schroff felsige Gipfel: Die Salzburger Festspiele widmen ihm mit "Zeit mit Furrer" eine umfangreiche Personale. Ein Gespräch über künftige Klänge, die aus der Stille kommen, die Angst vor dem eigenen Abgrund und was sich Beat Furrer für die Musik wünscht.

Information

Zur Person

Beat Furrer wurde 1954 in der Schweiz geboren und lebt seit 1975 in Wien. Er studierte hier Dirigieren und Komposition. 1985 gründete er das Klangforum Wien, das er bis 1992 leitete. Sein Schaffen umfasst alle Gattungen - vom Solo über das Orchesterwerk bis zur Oper. Im Mai 2018 wurde er mit dem Siemens-Musikpreis ausgezeichnet. Sein Musiktheater "Violetter Schnee" soll im Jänner 2019 in Berlin uraufgeführt werden. Die Salzburger Festspiele widmen dem Komponisten ab 30.Juli eine Personale, bei der Beat Furrer auch als Dirigent zu erleben ist - auch als Interpret eigener Werke.

"Wiener Zeitung": Sie sitzen im Grünen und schreiben eine Oper über Eingeschlossen-Sein im Schnee?

Beat Furrer: Ich war auch den ganzen Winter hier - mit richtig viel Schnee. (lacht)Aber "Violetter Schnee" ist ja auch eine Metapher. Über etwas Bekanntes, das fremd wird. Im Libretto geht es darum, dass Menschen auf die Sonne warten, die endlich wieder kommt nach einer langen Dunkelheit. Doch die Sonne ist nicht mehr die gleiche. Es ist ein fremder Himmelskörper. Der Schnee wird violett. Und die Menschen stumm.

Wofür steht dieses Bild heute?

Wir leben in einer Welt, die sich unglaublich schnell verändert, die uns fremd wird. Angesichts ökologischer und sozialer Katastrophen, die wir noch nicht benennen können, aber spüren - und politisch ignorieren. Auch die Protagonisten sprechen anfangs über Dinge, finden aber keine Worte für das, was passiert ist. Der Raum wird immer enger, die Dunkelheit klaustrophobisch. Und dann erscheint wieder eine Sonne, aber eine falsche.

Welche Klangwelt wird dieses sehr politische Thema haben?

Es ist ein politisches Thema, das uns alle betrifft. Ich arbeite hier mit Opernsängern und einer Schauspielerin. Dabei fokussiere ich immer mehr auf die Stimmen, führe sie zu einer Intimität. Dazu muss ich die Sänger dazu bringen, immer mehr zu reduzieren, zu einem intimen Gesang zu kommen, am Schluss eine Art Sprechgesang. Das Orchester verstärkt diese sich verdichtende Intimität.

Vor der Uraufführung sind Sie bei den Salzburger Festspielen als Dirigent und Komponist zu erleben. Wie vertragen sich die beiden?




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-26 16:02:13
Letzte Änderung am 2018-07-26 18:30:10


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