• vom 26.07.2018, 16:23 Uhr

Klassik/Oper

Update: 26.07.2018, 17:00 Uhr

Konzertkritik

Lauterkeit allein ist nicht genug




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Von Reinhard Kriechbaum


    Von protestantischer theologischer Erbsenzählerei zu sinnlich erlebbarem Katholizismus: So könnte man den Eindruck der Aufführung von Bachs h-Moll-Messe bei den Salzburger Festspielen beschreiben. Ob’s aber so gemeint war?

    Das Collegium Vocale Gent, 1970 von Philippe Herreweghe gegründet, ist eine selbst schon historische Institution in der Welt der historischen Aufführungspraxis. Die in der Ensemblegeschichte mehrmals runderneuerte Vokalgruppe, in die Solisten vom Kaliber einer Dorothee Mields integriert sind, ist nach wie vor ein Maßstab, was den Verzicht auf Vibrato sowie glasklare Artikulation angeht. Wenn in den polyphonen Teilen die Countertenöre einsetzen: Das geht einfach nicht homogener, disziplinierter, prägnanter.

    Information

    Konzert

    Collegium Vocale Gent

    Philippe Herreweghe (Dirigent)

    Salzburger Festspiele

    Aber es ist ja unter den Aufführungspraktikern schon die dritte Generation am Werk, und die findet schlüssigere Verbindungen von stilistischer Sachkundigkeit und Emotion als Philippe Herreweghe, der fest auf der Tempobremse stand. Lauterkeit allein ist kein Kriterium mehr für Alte Musik, und für Bach und seine h-Moll-Messe schon gar nicht. Sie verlangt Emotion und Großzügigkeit. Die setzte erst im Credo ein. Ab da gab’s einige Highlights: Im Agnus Dei etwa hat Countertenor Alex Potter sein Volumen in unendliche Atembögen eingebracht. Da konnte man nur staunen. Für Bach und seine Thomaskirchen-Realität ist eine Kleinbesetzung, wie sie Philippe Herreweghe wählt, historisch richtig. Aber welche Musikerzahl hätte Bach selbst sich gewünscht, wäre er von den Festspielen in die Felsenreitschule eingeladen worden?





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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2018-07-26 16:32:12
    Letzte Änderung am 2018-07-26 17:00:24


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