• vom 02.08.2018, 15:36 Uhr

Klassik/Oper

Update: 02.08.2018, 17:12 Uhr

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Amsterdamer Concertgebouw entlässt Chefdirigent Gatti




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Von WZ Online, APA, dpa

  • In Amsterdam reagiert man schnell auf die Vorwürfe sexueller Belästigung und feuert den seit 2016 amtierenden Daniele Gatti.

Die Affäre war nach einem Artikel der "Washington Post" in der Vorwoche ins Rollen gekommen. Dort hatten zwei Sängerinnen Gatti beschuldigt, siesexuell belästigt zu haben.

Die Affäre war nach einem Artikel der "Washington Post" in der Vorwoche ins Rollen gekommen. Dort hatten zwei Sängerinnen Gatti beschuldigt, siesexuell belästigt zu haben.© APAweb/REUTERS, Christian Hartmann Die Affäre war nach einem Artikel der "Washington Post" in der Vorwoche ins Rollen gekommen. Dort hatten zwei Sängerinnen Gatti beschuldigt, siesexuell belästigt zu haben.© APAweb/REUTERS, Christian Hartmann

Amsterdam. Wegen des Vorwurfs sexueller Belästigung hat das Amsterdamer Concertgebouw Orchester seinen Chefdirigenten Daniele Gatti entlassen. Das Orchester habe die Zusammenarbeit mit dem 56-jährigen Italiener "mit sofortiger Wirkung" beendet, teilte es am Donnerstag mit. Mehrere Musikerinnen hätten über "unangemessenes" Verhalten des Chefdirigenten geklagt.

"Die Vertrauensbeziehung zwischen dem Orchester und dem Chefdirigenten ist irreparabel beschädigt", erklärte das Orchester. Gatti war seit 2016 Chefdirigent in Amsterdam. Schon seit 2004 hatte er regelmäßig mit dem Königlichen Concertgebouw Orchester gearbeitet.

Die Affäre war nach einem Artikel der "Washington Post" in der Vorwoche ins Rollen gekommen. Dort hatten zwei Sängerinnen Gatti beschuldigt, sie sexuell belästigt zu haben. Die in der Zeitung zitierten Fälle geschahen demnach 1996 und 2000, lange bevor er Dirigent in Amsterdam wurde. Doch nach der Veröffentlichung hätten sich auch Amsterdamer Musikerinnen zu Wort gemeldet: "Eine ganze Reihe weiblicher Mitarbeiter des Königlichen Concertgebouw Orchestra hat von Erfahrungen mit Gatti berichtet, die im Hinblick auf seine Position als Chefdirigent unangemessen waren."

Nach dem Bericht der "Washington Post" hatte Gatti sich für ein mögliches Fehlverhalten entschuldigt. "Jedesmal, wenn ich einen Annäherungsversuch an jemand unternommen habe, habe ich das in der vollen Überzeugung getan, dass es von gegenseitigem Interesse getragen wurde", hatte er gesagt. In der "Washington Post" hatte die Sopranistin Alicica Berneche Gatti vorgeworfen, sie 1996 in Chicago in der Umkleide belästigt zu haben, während ihre Kollegin Jeanne-Michele Charbonnet einen ähnlichen Vorfall 2000 in Bologna beklagte.

Der am 6. November 1961 in Mailand geborene Gatti hat eine eindrucksvolle Karriere gemacht und mit den besten Orchestern und Opernhäusern der Welt gearbeitet. Er dirigierte regelmäßig in New York, Mailand, Berlin und Wien und war auch bei den Salzburger Festspielen wiederholt zu hören. Bei den Bayreuther Festspielen hatte er von 2008 bis 2010 die musikalische Leitung des "Parsifal". Bevor er nach Amsterdam kam war er Musikdirektor des nationalen Orchesters Frankreichs (Orchestre National de France) in Paris.

Das Amsterdamer Orchester will nach der Trennung von Gatti keine Konzerte absagen. Sie würden nun mit anderen Dirigenten stattfinden.

Gatti ist nicht der erste Dirigent von Weltruf, der mit Vorwürfen sexueller Übergriffe konfrontiert wird. Im März hatte die Metropolitan Opera in New York sich nach Missbrauchsvorwürfen von James Levine (75) getrennt. Levine bestreitet die Vorwürfe. Beide Seiten haben einander verklagt und fordern jeweils Schadenersatz in Millionenhöhe.

Chefdirigent Gatti weist nach Entlassung Vorwürfe zurück
Der wegen des Vorwurfs sexueller Belästigung vom Amsterdamer Concertgebouw Orchester entlassener Chefdirigent Daniele Gatti weist jeglichen Vorwurf entschieden zurück. Gatti sei "fassungslos" und habe ihm Mandat erteilt, seinen Ruf zu schützen, betonte der italienische Rechtsanwalt des Mailänder Dirigenten, Alberto Borbon, in einer Presseaussendung am Donnerstag.

Borbon erklärte, er habe von Gatti den Auftrag, rechtliche Schritte einzuleiten, sollte "die verleumderische Kampagne" weitergehen. Das Orchester hat die Zusammenarbeit mit dem 56-jährigen Italiener "mit sofortiger Wirkung" beendet, teilte es am Donnerstag mit. Mehrere Musikerinnen hätten über "unangemessenes" Verhalten des Chefdirigenten geklagt.





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Dokument erstellt am 2018-08-02 15:37:11
Letzte Änderung am 2018-08-02 17:12:57


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