• vom 27.08.2018, 15:50 Uhr

Klassik/Oper

Update: 27.08.2018, 16:07 Uhr

Konzertkritik

Der weiße alte Don Juan




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Von Reinhard Kriechbaum

  • Die Berliner Philharmoniker in Salzburg.

Beide Dirigenten haben ihren eigenen Kopf, und beinah im Wochenabstand haben sie in Salzburg Beethovens "Siebente" dirigiert: Einmal MusicAeterna unter Teodor Currentzis, am Sonntag die Berliner Philharmoniker unter Kirill Petrenko. Die orchestralen Voraussetzungen lassen trotzdem keinen Vergleich zu: Hier die am Originalklang geeichten Musiker aus Perm, dort das legendäre Kollektiv "mit dem größten Wumm". Dieser Wumm ist unter dem designierten neuen Chefdirigenten (Petrenko übernimmt im Herbst 2019) noch ausgeprägter als sonst.

Petrenko hat es gerne zackig. Wenn er aufs Pünktlichste die Eins vorgibt, müssen die Bläser schauen, wo sie ihre Luft herbekommen. Die Energie wird über Zäsuren (die Petrenko so verknappt hält wie nur möglich) drübergehoben. So setzt innerhalb eines Satzes kein Instrument bei Null an. Das hat etwas Mitreißendes.

Information

Berliner Philharmoniker 
Kirill Petrenko (Dirigent)
Salzburger Festspiele

Im Klanglichen, an der Durchhörbarkeit wird viel zu arbeiten sein, wenn die Berliner und der jetzt noch an der Bayerischen Staatsoper wirkende Dirigent regelmäßig aufeinander losgelassen werden. Das hat man noch deutlicher zu Beginn mitbekommen, in Richard Strauss‘ "Don Juan". Was ist das für ein Typ, den Petrenko hinstellt? Ein durchtriebener, roher Kerl muss das sein, wahrscheinlich ein weißer alter Mann - und nicht nur die zarteren Holzbläser, überhaupt jede Nebenstimme in diesem überdrehten Geschehen droht, ein #MeToo-Opfer zu werden. "Tod und Verklärung"? Verklärung ist in Petrenkos Genen nicht angelegt, und was den Tod angeht: unter der orchestralen Dampfwalze ist auch er eher unerfreulich.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-27 15:59:51
Letzte Änderung am 2018-08-27 16:07:21


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