• vom 07.09.2018, 17:00 Uhr

Klassik/Oper

Update: 07.09.2018, 17:40 Uhr

Konzertkritik

Trio in Rage




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Von Katharina Hirschmann

  • Kavakos, Ma und Ax mit Kammermusik von Brahms.

Das Spannende an Brahms H-Dur-Trio ist, dass es zugleich sein frühestes und sein spätestes Klaviertrio ist. Wie das? - Brahms selbst war seiner Frühwerke relativ rasch überdrüssig. Das veranlasste ihn dazu, dieses opus 8 später noch einmal herauszuholen und grundlegend zu überarbeiten. Straffung und Verdichtung zählen zu den Hauptmerkmalen seiner Veränderung, an der sich sein Reifeprozess ablesen lässt. Kenner können dieses Nebeneinander von Früh- und Spätwerk heraushören, in dem sich reifebedingt melancholische Romantik zu jugendlichem Elan mengt.

Der Interpretationsansatz des Trios Kavakos, Ma und Ax trifft das Wesen des Werks insofern gut. Denn die drei gehen relativ forsch ans Werk, lassen aber auch ruhigen Passagen Raum und kosten romantische Züge aus. Vor allem diesem ersten Trio, das sie am Schluss spielen, geben sie viel Gefühlvolles mit. In Nr. 2 und 3 spielen sie sich noch energischer in Rage, noch gewaltvoller - aber nicht unbedingt gehaltvoller.

Information

Konzert
Leonidas Kavakos (Violine), Yo-Yo Ma (Violoncello), Emanuel Ax (Klavier
Musikverein

Dynamisch bleiben sie oft im oberen Bereich hängen, was vor allem dem Pianisten geschuldet sein dürfte, der sich hier zu wenig zurückzunehmen weiß und die Streicher häufig zu übertönen droht. So mag man möglicherweise etwas an Leichtfüßigkeit vermissen - wenn auch im Vergleich zur Aufnahme desselben Programms, die letztes Jahr bei Sony Classical erschienen ist, die Live- Version sanfter ausgefallen ist. Die drei Herren jedenfalls haben das Zusammenspiel sichtlich genossen. Schrulligkeitsfaktor inklusive.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-07 17:09:05
Letzte Änderung am 2018-09-07 17:40:45


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