• vom 16.08.2006, 00:00 Uhr

Klassik/Oper


30 Jahre Innsbrucker Festwochen: "Don Giovanni" unter René Jacobs

Mozart neu entdecken




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Oliver Schneider

  • Das Publikum jubelte am Schluss der Premiere, und das zu Recht. René Jacobs hat nicht nur entschieden, in Innsbruck an zwei Abenden die reine Prager Fassung des "Don Giovanni" und an zweien die Wiener erklingen zu lassen. Er lässt das Werk in seinen Originaltempi erklingen. Geradezu rasant erscheinen diese, doch so trägt er der Klassifizierung des Werks als Dramma giocoso Rechnung. Etwas mehr als zweieinhalb Stunden braucht er für die Prager Fassung. Doch dies hat nichts mit Geschwindigkeitsrausch zu tun: Auch Momente wie Giovannis Liebesduett mit Zerlina kostet der Belgier voll aus. Luftig spielt das Freiburger Barockorchester.

Fesselten in Innsbruck: Johannes Weisser (Giovanni), Alexandrina Pendatchanska (Elvira). Foto: Festwochen/R. Larl

Fesselten in Innsbruck: Johannes Weisser (Giovanni), Alexandrina Pendatchanska (Elvira). Foto: Festwochen/R. Larl Fesselten in Innsbruck: Johannes Weisser (Giovanni), Alexandrina Pendatchanska (Elvira). Foto: Festwochen/R. Larl

Jacobs entmythologisiert den "Giovanni", befreit ihn vom Ballast des 19. und 20. Jahrhunderts, knüpft stattdessen an Mozarts Vorgänger wie Johann Adolph Hasse an. Gemeinsam mit Regisseur Vincent Boussard rückt er das Werk in die Nähe der venezianischen Commedia dell´Arte. Giovanni ist kein sexistischer Libertin, sondern ein schnittiger, etwas weltfremder Beau. Agiert wird in einem weißen, konzertmuschelartigen Halbrund mit verzerrter Tür und Fenstern: Mit bescheidenen Mitteln wurde eine funktionelle Szenerie geschaffen.


Das Ensemble spielte nicht nur hinreißend, sondern gefiel mehrheitlich mit schlanken, wenn auch nicht sehr tragfähigen Stimmen. Allen voran ist Werner Güra zu nennen, der dem Ottavio seinen edel geführten Tenor lieh. Sunhae Im war eine schelmische Zerlina, Nikolay Borchev ihr angetrauter Masetto. Und Johannes Weissers Don Giovanni? Für diese Aufführung konnte man sich keinen anderen wünschen.

Don Giovanni

Wolfgang A. Mozart

Vincent Boussard (Regie)

René Jacobs (Dirigat)

Wh.: 16. und 18. August

Tiroler Landestheater

0512/561561

Überragend.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2006-08-16 00:00:01
Letzte Änderung am 2006-08-15 16:23:00

Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. b + s
  2. Harald Schmidt, Michael Niavarani und ihre Prostata
  3. "Euryanthe" als packendes Kammerspiel
  4. Ein fast perfekter Mord
  5. Honoré Balzacs Brautfahrt
Meistkommentiert
  1. "Die Weiden" erleiden Schiffbruch an der Staatsoper
  2. Die neue Einstimmigkeit
  3. ORF teilt TV-Sender gesellschaftlichen Gruppen zu
  4. Posthume Resterampe
  5. Eine wunderbare Reise zu den Ursprüngen von Jethro Tull

Werbung




Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker.

Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk. Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher

Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913 "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.


Werbung