• vom 19.06.2002, 00:00 Uhr

Klassik/Oper

Update: 08.04.2005, 15:36 Uhr

Theater an der Wien: Mozarts "Così fan tutte" im Da Ponte-Zyklus

Mutis Mozart-Zyklus ist Geschichte




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Von Manfred A. Schmid

1994 hat Riccardo Muti im Theater an der Wien seinen Mozart/Da Ponte-Zyklus - eine Gemeinschaftsproduktion der Wiener Staatsoper und der Wiener Festwochen - mit "Così fan tutte" begonnen. Nachdem nach und nach - und eher zögerlich - auch "Don Giovanni" und zuletzt "Le nozze di Figaro" herausgebracht wurden, ist demnächst - wenn auch "Don Giovanni" zum letzten Mal aufgeführt wird, endgültig Schluss damit. Und die wiederum glanzvolle Aufführung der "Così" - in der bewährten, stets aufs neue bezaubernden Besetzung mit Barbara Frittoli (Fiordiligi), Angelika Kirchschlager (Dorabella), Bo Skovhus (Guglielmo), Michael Schade (Ferrando) und Alessandro Corbelli (Don Alfonso), neu war Stefania Bonfadelli als Despina - macht den Abschied schon jetzt nicht leicht.


Natürlich lässt sich diese Opera buffa über wankelmütige Liebesbeziehungen, überstürzten Partnertausch und erwiesene Untreue auch anders inszenieren, als dies Roberto de Simone - im stimmungsvollen, das mediterran-levantinische Ambiente einfangenden Bühnenbild von Maurio Carosi - gemacht hat. Der Vorwurf der hoffnungslosen Antiquiertheit und eines märchenhaften Historismus ist flink erhoben, doch die Qualität dieser sorgfältig erarbeiteten Inszenierung und insbesondere der anmutigen Personenführung kommt dem espritvollen Libretto Lorenzo da Pontes wie auch dem Geist der Musik in vieler Hinsicht entgegen. Vor allem dann, wenn das hervorragend aufeinander eingespielte Sängerensemble, der Chor und das Orchester so hellhörig die Anweisungen des Dirigenten erfüllen, wie dies hier über die Jahre hinweg stets der Fall war. Da hat einfach vieles ideal zusammengepasst und ein Ganzes ergeben, an das man sich wohl noch lange erinnern wird. Nicht alle Produktionen des Zyklus waren gleichermaßen begünstigt, doch gerade die "Così fan tutte" hat das Zeug dazu, als Legende in die Aufführungsgeschichte einzugehen. Spätestens im Mozart-Jahr 2006 wird es eine neue "Così" geben. Man wird ja sehen . . .

Über die gestalterischen Leistungen in dieser Produktion wurde im Laufe der Zeit schon so gut wie alles gesagt, sodass ich mich hier darauf beschränken kann, den Neuzugang zu würdigen. Stefania Bonfadelli, an der Wiener Staatsoper zuletzt als Amina in "La Sonnambula" und Juliette in "Romeo et Juliette" sowie als Olympia in "Les Contes d'Hoffmann" gefeiert, kann in der Partie der Kammerzofe Despina erstmals zeigen, was für eine darstellerische vis comica sie besitzt. Dass die junge Sopranistin sich auch stimmlich homogen in das Ensemble der Protagonisten einfügt, war allerdings keine Überraschung, sondern zu erwarten.

Als Riccardo Muti im Anschluss an die Vorstellung auf offener Bühne von Kunststaatssekretär Franz Morak das Dekret mit seiner Ernennung zum Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper überreicht wurde, gab es Standing Ovations. Staatsopern-Direktor Ioan Holender knüpfte in seiner Rede an die große Zeit der Wiener Staatsoper 1945-55 im Theater an der Wien an, als Josef Krips und Karl Böhm mit einer jungen Sängergeneration den Wiener Mozart-Stil erarbeiteten. Auch Muti habe seit 1973 die Geschicke des Hauses "mit seiner Persönlichkeit, mit senem Wissen, mit seiner vermittelnden Musikalität wesentlich mitgestaltet". Muti führte in seinen Dankesworten aus, was ihm die fast drei Jahrzehnte währende Tätigkeit an der Wiener Staatsoper sowie die bereits 1971 auf Einladung von Herbert von Karajan begonnene regelmäßige Zusammenarbeit mit den Wiener Philharmonikern bedeute.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2002-06-19 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-08 15:36:00

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