• vom 16.11.2018, 16:41 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 16.11.2018, 17:02 Uhr

Konzertkritik

Die stille Größe des Wolfgang Muthspiel




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Von Christoph Irrgeher


    Es gibt Künstler, die verströmen noch 50 Meter gegen den Wind den Stallgeruch eines Zirkuspferds. Und es gibt solche, die behalten die Aura des Manns von nebenan trotz einer Weltkarriere. Zu dieser Sorte zählt Wolfgang Muthspiel, und er hat dazu beigetragen: Der steirische Gitarrist mit dem silbrig-feinnervigen Ton hat die amerikanische Jazzszene rund um die Jahrtausendwende erobert und daraus die erstaunliche Konsequenz gezogen, seinen Wohnsitz wieder nach Österreich zu verlegen. Dass ihm die Alpenrepublik nicht "too small" wurde, liegt an einer ungebrochenen Tourneetätigkeit mit US-Größen. Das Aufgebot seiner aktuellen CD "Where The River Goes" darf als Supergroup gelten: Neben Tasten-Feinspitz Brad Mehldau und dessen Leibbassist Larry Grenadier geben Schlagzeugwunder Eric Harland und Trompeter Ambrose Akinmusire laut. Wobei "laut" ein verfehlter Begriff ist, denn Muthspiel pflegt einen leisen, ziselierten und somit maßgeschneiderten Kammerjazz für den Herausgeber ECM.

    Kultivierte Kraftentfaltung

    Information

    Konzert

    Wolfgang Muthspiel Quintet

    Wiener Konzerthaus

    Diese Poesie stellt sich auch in veränderter Besetzung ein, wie am Donnerstag live im Konzerthaus zu hören. Mag zwar sein: Vergrübelt sich diese Musik ins allzu Abstrakte ("One Day My Prince Was Gone"), zieht sie sich selbst den Stecker. Meist aber vermählen sich hier delikate Harmoniefolgen mit einem federnden Puls, den Jeff Ballard vor allem am Ride-Becken beisteuert. Und mit dem Titelstück setzt es sogar eine handfeste, hoffnungsfrohe Hymne, die Trompeter Matthieu Michel auf einen Energiepegel jenseits der Studio-Aufnahme steigert - Applaus.





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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
    Dokument erstellt am 2018-11-16 16:52:27
    Letzte Änderung am 2018-11-16 17:02:31




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