• vom 02.12.2018, 19:00 Uhr

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Von Andreas Wirthensohn

  • Robert Fishers posthum erscheinendes Album mit seiner Willard Grant Conspiracy.



Die vierzehn Songs dieses Albums anzuhören, ist eine eigenartige Erfahrung. Denn Robert Fisher, Kopf dieses sehr besonderen Musikprojekts aus Boston, ist im Februar 2017 im Alter von nur 59 Jahren gestorben.

Information

Willard Grant Conspiracy
Untethered
(Loose Music/Rough Trade)

Ein Jahr zuvor war eine Krebserkrankung bei ihm diagnostiziert worden, unmittelbar danach entstand der titelgebende Song, "Untethered". Er erzählt davon, wie sich jemand zum ersten Mal in seinem Leben losgelöst, freischwebend fühlt - und sich fragt, wann er sich noch einmal so fühlen wird. Es ist ein typischer Willard-Grant-Conspiracy-Song: getragen von Fishers dunklem Bariton, Gitarre und der Viola seines Mitstreiters David Michael Curry, entfaltet sich ein getragen düsteres Alternative-Country-Panorama.

"Untethered" versammelt die Songs, die Fisher zuletzt aufgenommen hat. Es ist das zehnte oder vielleicht auch elfte Studioalbum dieser 1995 gegründeten Band, die nie eine feste Einheit war, sondern eine "offene Struktur" hatte, wie Fisher das nannte. Er selbst war die einzige Konstante, verstand sich aber nie als "Mastermind", sondern eher als Regisseur der Mitstreiter, die seine Songs nicht einfach nur spielen, sondern "lernen" sollten. Vielleicht war das ein Grund, warum die Band nie wirklich über den Status eines Geheimtipps hinauskam.

Ein US-Magazin schrieb einmal über Fisher, es sei, als würde Willie Nelson die "Murder Ballads" von Nick Cave singen. Der Australier war freilich ungleich erfolgreicher. Und während die Kollegen von den Walkabouts (wo etwa der WGC-Mitbegründer Paul Austin irgendwann landete) Werbespots untermalten, schrieb Fisher großartige traurige Lieder und gab Konzerte, die nie ein Abspulen von Setlists, sondern jedes für sich ein Unikat waren.

"Try to make it home when I can", heißt es in "Untethered", dem vorletzten Song auf diesem letzten Album. Robert Fisher hat es nicht geschafft. "Trail’s End" beschließt dieses Vermächtnis, ein Instrumental, das sich am Ende nicht in Wohlklang auflöst, sondern in ein kakofonisches Aufbäumen mündet. Und dann verklingt.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-30 13:28:31
Letzte Änderung am 2018-11-30 14:25:09



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