• vom 02.12.2018, 10:00 Uhr

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Zappas illustres Erbe




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Von Gerhard Strejcek

  • Am 4. Dezember 1993 starb Frank Zappa. Bis heute wird an den US-Musiker erinnert, demnächst auch wieder in Wien.

Vermächtnis-Bewahrung mit Hürden: Frank Zappa (1940-1993). - © Getty Images/Rob Verhorst

Vermächtnis-Bewahrung mit Hürden: Frank Zappa (1940-1993). © Getty Images/Rob Verhorst

Vor 25 Jahren starb der Komponist, Multi-Instrumentalist und vierfache Vater Frank Zappa in Laurel Canyon (Los Angeles). Zappa, der mehr als 100 Alben veröffentlichte (knapp 50 davon sind posthum erschienen), kam am 21. Dezember 1940 in Baltimore (Maryland) zur Welt, ehe die aus Süditalien stammende Familie nach Kalifornien zog.

Im "Lorbeer"-Canyon, einer Musikerkolonie, durch die einst der erste O-Bus der USA ratterte, galten Frank Vincent und seine aus Pennsylvania stammende Gattin Adelaide Gail Zappa (geb. Sloatman) als illustres Paar. Sie lebten in einer riesigen Wohnhöhle mit Biotop, die oft von Groupies heimgesucht wurde. Zappa hatte keinen Führerschein. Solange die Einnahmen sprudelten, leistete er sich einen "Limo-Service". Nach Geburt von Tochter Moon Unit und Sohn Dweezil lebte die Familie in einer abgelegenen Riesenvilla mit Tonstudio, die heute Lady Gaga gehört.

Jährliche Zappanale

Beim Einkaufen begegnete man Doors-Legende Ray Manzarek oder dem Vokalgenie Roy Orbison, der fünf Jahre nach Zappa starb. Beide sind im Westwood Village Memorial Park begraben, aus Gründen ewiger Ruhe trägt aber Zappas Grabmal keinen Namen. Dass passt ins Bild eines Soundtüftlers, der zu Lebzeiten nicht einmal die eigene Familie in den Kompositionsraum einließ.

Gattin Gail, die vor drei Jahren verstorben ist, stilisierte den Kettenraucher zum biederen Familienvater. Posthum tauchten kritische Stimmen auf, wie jene von Ruth Underwood (der Vibrafonistin der Mothers of Invention), die Zappa als Despoten einstufte. Die Mitglieder der frühen Girl-Band The GTOs, die Zappa gefördert hatte, verteidigten den schillernden Mentor, der sich von Peter Occhiogrosso per Interviews biografisch festhalten ließ.

Das Erbe des exzentrischen Genies lebt dank Idealisten und Musikvirtuosen weiter. Die 1990 gegründete Zappanale in Bad Doberan in Mecklenburg-Vorpommern bereitet schon das nächste Festival für den 19. bis 21. Juli 2019 vor, die Fans können mitbestimmen. Angefragt sind Mothers-of-Invention-Urgestein Ian Underwood und Gitarrist Steve Vai, mit dem Zappa Family Trust wird über eine Hologrammshow verhandelt.

In Wien tragen Hallucination-Company-Gründer Wickerl Adam und Falcos einstiger Gitarrist Conrad Schrenk zum Revival von Zappas bester Musik bei, Zappanale-Organisator Wolfhard Kutz kam extra nach Wien in die Riemergasse gereist, um "The Torture Never Stops" anlässlich der 77. Wiederkehr von Zappas Geburtstag zu hören. Adam und Schrenk, Vokalistin Sabrina Winter, Peter Dürr, Anzo Morawitz u.a. ließen "Dirty Love" und mehr im Porgy&Bess erklingen und gingen im Sommer auf der Zappanale on stage; am 27. Dezember sind sie wieder im Wiener Jazzclub zu hören. Im Mai 2018 waren Don Preston und die Grandmothers of Invention mit Zappa-Werken ebendort zu hören gewesen.

Zerstrittene Erben

Nach wie vor sind die Bewahrer des musikalischen Vermächtnisses mit Hindernissen konfrontiert, die Nachfahren bilden ein zerstrittenes Mixed-Doppel: Ahmet und Diva (die jüngeren) auf der einen, Moon Unit und Dweezil (die älteren) auf der anderen Seite. Ahmet untersagte seinem Bruder die "Zappa plays Zappa"-Shows. Gitarrist Vai beschwor daraufhin per Film ("The Guitar Lesson") seine Rolle als Ersatzvater, er unterrichtete Dweezil, den einzigen Musiker unter den leiblichen Zappa-Erben, der im nächsten Herbst bereits 50 Jahre alt wird.

Schwester Moon hat sich als Musikproduzentin einen Namen gemacht, sie drehte die Zappa-Doku "Eat That Question" unter der Regie des deutschen Filmemachers Thorsten Schütte. Das sperrige, symphonische Werk des Alleskönners führt allerdings nur mehr ein Schattendasein.

Dem London Contemporary Orchestra gelang es, dem Edgar Varèse nachempfundene Zappa-Spätwerk "Yellow Shark" beim Roundhouse Festival zum "70er" kurzfristig Leben einzuhauchen, andere Spitzenorchester scheinen Zappa aus ihrem Repertoire gestrichen zu haben.

Was bleibt, ist ein vielfältiges Rock-Vermächtnis auf Tonträgern, die eher schwer verdauliche neu aufgelegte Tony-Palmer-DVD "200 Motels" sowie die Erinnerungen an jenen Musiker, der einst meinte: "Ihr müsst verrückt bleiben, auch wenn ihr Österreicher seid!"





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-30 13:28:36
Letzte Änderung am 2018-11-30 16:43:24



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