• vom 06.12.2018, 07:30 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Schlager

Roland Kaiser vermisst Melodien für die Ewigkeit




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Von Christoph Forsthoff

  • Schlagerstar Roland Kaiser über Evergreen-Melodien und die Herausforderungen seiner politischen Heimat, der SPD.

Seit 44 Jahren auf der Bühne: Roland Kaiser.

Seit 44 Jahren auf der Bühne: Roland Kaiser.© APAweb, dpa-Zentralbild, Patrick Pleul Seit 44 Jahren auf der Bühne: Roland Kaiser.© APAweb, dpa-Zentralbild, Patrick Pleul

Mehr als vier Jahrzehnte tourt Roland Kaiser nun schon durchs Musikgeschäft, auch hierzulande kennt jeder seine Hits wie "Sieben Fässer Wein", "Santa Maria" oder "Manchmal möchte ich schon mit dir". Dabei hatte der bekennende Sozialdemokrat einst als Leiter einer Werbeabteilung in einem Autohaus angefangen. Am Sonntag tritt der 66-Jährige in der Wiener Stadthalle auf. Mit der "Wiener Zeitung" sprach er über Halbtonmangel und den Niedergang der SPD.

"Wiener Zeitung": Sie treten in der Regel mit Anzug, Stecktuch und Krawatte auf. Gentleman und Schlagerwelt stehen für Sie also nicht im Widerspruch?


Roland Kaiser: Erstens trage ich gerne Anzüge, zweitens muss ich nicht lange nachdenken, welcher Modetrend gerade angesagt ist, sondern kann einfach meinen Anzug anziehen - und ich möchte den Menschen auch so erscheinen, dass es ein angenehmer Anblick ist. Das ist genauso kein Widerspruch wie Schlagerwelt und Meinungsäußerung. Nur weil man in diesem Bereich arbeitet, muss man ja nicht per se ein Paradiesvogel sein.

Nun hat sich die Schlagerwelt in den letzten 40 Jahren verändert - erinnern Sie sich manchmal wehmütig an alte Hitparaden-Zeiten?

Ich gehöre nicht zu den Leuten, die rückwärtsgewandt leben - ich blicke nach vorne. Zweifellos fand sich im Schlager der 50er Jahre mehr Zeitgeist als heute. Themen, die auf der Straße lagen, wurden in Liedern aufgegriffen: Als es damals etwa die große Kriminalfilm-Welle von Durbridge bis Wallace gab, kam ein Schlager, der hieß "Kriminaltango"; zu Zeiten des Wirtschaftswunders sang Hazy Osterwald "Geh’n Sie mit der Konjunktur", und als wir anfingen, nach Italien in den Urlaub zu fahren, hieß es "Komm ein bisschen mit nach Italien". Heute findet sich weit weniger reflektierter Zeitgeist im Schlager - aber vielleicht ist ja das der Geist der Zeit . . .

Erleben Sie Zeitgeist gegenwärtig als weniger reflektiert?

Ich habe lediglich Jean-Paul Sartre zitiert, der sagt "Kunst ist reflektierte Gegenwart" - und wenn diese Schlager momentan mehrheitsfähig sind, ist das wohl der Geist unserer Zeit. Die Menschen müssen selber wissen, was sie mögen. Mir persönlich fehlt die Reflexion ein bisschen, doch solch ein nicht belehrendes, augenzwinkerndes Aufzeigen wie in "Ein ehrenwertes Haus" von Udo Jürgens ist eben auch nicht einfach.

Ihre Musik bekommt man nicht kaputt, wie Sie selbst gesagt haben - woran liegt das?

(lacht) Zum einen an den originellen Texten - ich habe ja selten an das Herz als vielmehr an die etwas tiefer liegenden Triebe des Menschen appelliert. Meine Titel sind alle eher mit erotischen Komponenten versehen, als dass es darum ginge, am See spazieren zu gehen. Aber es waren und sind einfach auch gute Melodien, die dann zu Evergreens geworden sind. Vielleicht hat man früher kompositorisch einfach noch mehr Qualität abgeliefert.

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Dokument erstellt am 2018-12-05 16:34:41
Letzte Änderung am 2018-12-05 16:45:18



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