• vom 06.12.2018, 10:30 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 06.12.2018, 10:51 Uhr

Pop

Paul McCartney in Wien: Einer geht noch




  • Artikel
  • Lesenswert (24)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Andreas Rauschal

  • Der Ex-Beatle gastiert an zwei Tagen in der Stadthalle. Am Mittwoch war Auftakt.



Fit mit fragiler Stimme und hohem Arbeitsethos: Paul McCartney live in Wien.

Fit mit fragiler Stimme und hohem Arbeitsethos: Paul McCartney live in Wien.© APA/Herbert Pfarrhofer Fit mit fragiler Stimme und hohem Arbeitsethos: Paul McCartney live in Wien.© APA/Herbert Pfarrhofer

"Er ist ein sündiger Mensch!" - dass der "Kein Sex vor der Ehe"-Prediger dann auch bei Paul McCartney vor der Wiener Stadthalle aufgetaucht ist, um auf die verlorenen armen Seelen der Konzertbesucher einzuwirken, war dann doch etwas überraschend. Normalerweise rückt der Mann ja eher dann an, wenn junge Frauen auf der Bühne stehen, die nicht gerne zu viel Kleidung anziehen, weil es unter den Beleuchtungskörpern bekanntlich sehr heiß werden kann.

Opa erzählt vom Krieg

Da Paul McCartney im Rahmen seiner "Freshen Up"-Tour mit nur acht handverlesenen Konzerten in Europa inklusive zweimal Wien sehr wohl angezogen ist, dürfte die Sonntagspredigt zum Auftakt am Mittwoch also inhaltliche Gründe gehabt haben. Höret und sehet: Er trägt Schuld, er hat es erfunden! Mit den Beatles begann schließlich das klassische Popzeitalter mit seinen Angriffen auf die römisch-katholische Ordnung, die auch Popstarvergleiche mit Jesus (John Lennon) und Unkeuschheit propagierende sündige Welthits wie - Gott behüte! - "I Want To Hold Your Hand" mit sich brachten.

Information

Paul McCartney
Freshen Up Tour
Wiener Stadthalle

2. Termin am Mittwoch, 6.12.

Im Inneren der Stadthalle bekam man die Wirkung davon gleich eingangs vorgeturnt: Die ersten Standing Ovations bei so einem Paul-McCartney-Konzert gibt es von Paul-McCartney-Fans noch bevor Paul McCartney auch nur einen einzigen Ton gespielt oder gesungen hat. 38 Songs aus alten Schlachten, die mit Schwarz-Weiß-Bildern auf der Videowall unter der Losung "Opa erzählt vom Krieg" eine Nachkriegszeit im Geiste des mit Gitarre und Schlagzeug herbeigeführten Umbruchs dokumentieren, einige Sturzbäche an Freudentränen und sehr viele Standing Ovations später wird ein knapp 170-minütiger Konzertmarathon geschlagen sein, der im Regelfall am ehesten noch einen Wunsch offenlässt: nämlich jenen, dass die alte, heute vor allem in den höheren Lagen doch ziemlich fragile Stimme ihren Weg zurück in den sonst begnadet fitten Körper des 76-jährigen Songwriters finden möge, der sich auf seinem Millionenvermögen längst in der "Pensi" ausruhen könnte.

Aber nein, der gute Mann gibt mit "A Hard Day’s Night" das arbeitsethisch überkorrekte Motto des Kommenden vor und stürzt sich mit seiner vierköpfigen Band an jedem Konzertabend lieber in das nächste Live-Abenteuer. Man sah den tatsächlich schwer schuftenden Paul McCartney beim Wechsel vom Bass an die akustische und an die E-Gitarre, beim Austausch des Klaviers gegen das Keyboard und bei kecken Intermezzi an der Ukulele - und hörte dazwischen launige Anekdoten eines teils deutsch radebrechenden Popstars über Treffen mit russischen Politikern backstage in Moskau oder die Situation, als einmal die Gitarre von Jimi Hendrix verstimmt war. Es ist fast so, wie man es vom eigenen Opa in Erinnerung hat, nur dass es statt Volkstanz um Rock ’n’ Roll und statt um das Hoamatland unter besonderer Berücksichtigung der Hausruckregion immer um die ganze Welt geht.




weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-12-06 10:40:41
Letzte Änderung am 2018-12-06 10:51:50



Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Andreas Gabalier: Im Rausch der Zeit
  2. Harald Schmidt, Michael Niavarani und ihre Prostata
  3. Ein fast perfekter Mord
  4. "Cold War" räumt beim 31. Europäischen Filmpreis ab
  5. Die neue Einstimmigkeit
Meistkommentiert
  1. "Die Weiden" erleiden Schiffbruch an der Staatsoper
  2. Die neue Einstimmigkeit
  3. Eine wunderbare Reise zu den Ursprüngen von Jethro Tull
  4. Andreas Gabalier: Im Rausch der Zeit
  5. ORF teilt TV-Sender gesellschaftlichen Gruppen zu


Quiz


Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker.

Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk. Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher

Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913 "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.


Werbung