• vom 16.12.2018, 11:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Pop-CD

The 1975, Rattenfänger aus Manchester




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Von Gerald Schmickl

  • Die Band um Sänger Matthew Healy hat ein neues Album veröffentlicht.



So kurz der Bandname, so lang die Albumtitel. Der neue ist immerhin etwas kürzer geraten als der vorangegangene: "I Like It When You Sleep, For You Are So Beautiful Yet So Unaware Of It", hatte Album Nr. 2 von The 1975 (2016) gelautet. Nun also "A Brief Inquiry Into Online Relationships". So brief ist die Sache allerdings gar nicht: Eine Stunde bzw. 15 Nummern lang dauert die Ermittlung in Sachen Online-Beziehungen.

Information

The 1975
A Brief Inquiry Into Online Relationships
(Universal)

Live am 8. Juli 2019 in der META Stadt in Wien.
www.metastadt.at

Die englische Band selbst hat - laut Frontman und Sänger Matthew Healy - zwar ein gespaltenes Verhältnis dazu ("Das Verhalten, das wir an den Tag legen, wenn es um das Internet und alles damit Verwandte geht, ist das eines Heroinabhängigen", verriet der ehemalige Heroinabhängige kürzlich dem "Spiegel"), ist aber gerade in diesem Medium extrem erfolgreich: über 2,4 Milliarden Streams stehen bei dem aus Manchester stammenden, 2002 als Schülerband gegründeten Quartett zu Buche. 4,3 Millionen verkaufte Alben und 1,1 Millionen Tickets weltweit komplettieren die beachtliche Statistik, die The 1975 zu einer globalen Big Number gemacht haben.

Da das Vorgängeralbum sowohl bei Käufern (Nr. 1 u.a. in UK, USA, CAN und AUS) als auch bei Kritikern enorm erfolgreich war, gibt es keinen Grund, etwas an der Grundstruktur zu ändern. Daher ist auch "A Brief Inquiry . . ." wiederum ein loser Verbund aus allen möglichen Genres, aus denen - wie es heutigem Musikgebrauch am ehesten entspricht - jeder sich das herauspickt, was ihm am besten gefällt.

Also gibt es von Healys einschmeichelnder Rattenfängerstimme angeführte, sich offensiv an die Hörer heranwerfende oder hinterrücks einschleichende Pophymnen ("TOOTIMETOOTIMETOOTIME", "Give Yourself A Try" oder "It’s Not Living If It’s Not With You"), sanfte Balladen mit Soft-Jazz-Einschlag ("Mine"), gehobenen Simply-Red-Kitsch, aber auch harsches Elektronikgebrabbel und allerlei Autotune-Geschnatter, und in einem Fall ("The Man Who Married A Robot/Love Theme") sogar eine Art radiophone Erzählung.

Das kommt einerseits in selbstbewusst meisterlichem Gestus, andererseits in unschuldig wirkender Vielköpfigkeit (wenn auch mit nur einer Stimme) daher, sodass man wirklich nicht weiß, ob sich dahinter pure Unentschiedenheit (für einen konsistenten Weg) oder lässig ausgestellte Genialität (im Sinne des Aus-dem-Vollen-Schöpfens) verbirgt. Im Zweifel votieren wir für Zweiteres, denn welch andere Band eröffnet einem heutzutage überhaupt noch solche Optionen!





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-12-13 10:10:47
Letzte Änderung am 2018-12-13 13:06:57




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