• vom 11.01.2019, 07:30 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 11.01.2019, 07:52 Uhr

Black Music

Als "funky" noch muffig bedeutete




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Von Christina Böck

  • Ein Comic als famose Chronik der Black Music von Blues bis Rap.



Schon Antonin Dvorak soll gesagt haben: "In den Negermelodien Amerikas entdecke ich eine große und edle Schule der Musik." James Browns Kommentar dazu: "Say it loud! I‘m black and proud!". Also zumindest haben Hervé Bourhis und Brüno, die Gestalter einer famosen Comic-Chronik über Black Music diesen "Dialog" so zusammen montiert - gleich auf der ersten Seite von "Black & Proud - Vom Blues zum Rap."

In ihrem Band - bei dem sie bewusst den Jazz ausklammern, weil das Projekt sonst ausgeufert wäre - beginnen die beiden Zeichner wirklich ganz am Anfang: 1619, als die ersten Sklaven auf amerikanischem Boden landen. Schon 1784 können sie die erste schriftliche Erwähnung des Worts "funky" belegen - es bedeutet damals "muffig". Bereits zu Beginn des Siegeszugs der Black Music deutet sich - noch in der Sklavenzeit - ihre verbindende Wirkung an: 1842 ist der Tänzer und Sänger Master Juba der erste schwarze "Crossover-Star", er erreicht also schwarze und weiße Zuschauer.

Information

Hervé Bourhis, Brüno:
"Black & Proud" (Avant-Verlag)



Kampf um Unabhängigkeit

Aber auch die Wurzeln der Versuche, von der (nicht nur, aber anhaltenderen) künstlerischen Ausbeutung auch etwas zu haben, werden schon früh gelegt. Bei Minstrel-Shows, rassistischen Aufführungen, bei denen schwarz geschminkte Weiße Sklaven bösartig nachäffen, spielen nach und nach auch immer mehr schwarze Schauspieler mit.

Die erste Entwicklungszeit der Black Music illustrieren Bourhis und Brüno schlaglichtartig mit Porträt-Vignetten von prägenden Persönlichkeiten wie Louis Armstrong, Scott Joplin oder Mamie Smith. Aber auch ihre gezeichnete Version des berühmten Bildes einer Lynchjustiz, das Billie Holiday zum Song "Strange Fruit" inspirierte, hat in diesem Abschnitt seinen Platz. Ebenso Trivia wie die Einführung einer eigenen Kategorie in der Billboard Charts im Jahr 1943. Die "Harlem Hit Parade" ist da schon voll mit dem seit einem Jahr angesagten Rock‘n‘Roll - den übrigens eine ganze Reihe schwarzer Frauen praktiziert, bevor das Musikgenre von den Weißen gekapert wird.

Anekdoten als Comic-Strips

Ab dem Jahr 1945 wird jedes Jahr in "Black & Proud" einzeln betrachtet. Eine Platte des Jahres illustriert jeweils den größten Star und seine Schlagkraft für die Entwicklung der Black Music. Dazu kommen historische und gesellschaftliche Ereignisse, die für die schwarze Community wichtig waren. Viel öfter aber finden sich schillernde Anekdoten, wie jene, als Dionne Warwick auf Rat einer Astrologin ihrem Nachnamen ein E für Energie hinzufügte. Ihre Hitserie stoppte daraufhin nach 22 Jahren und begann erst wieder, als das E wieder verschwand. Manche dieser Geschichten werden auch als Comic-Strip erzählt und unregelmäßig eingebaut. Wie etwa die Erinnerung Solomon Burkes an seinen Auftritt vor dem Ku-Klux-Klan. Oder die (wahrscheinlich leider nicht wahre) Schnurre über die Road-Trip-Flucht aus dem 9/11-New-York von Michael Jackson mit Liz Taylor und Marlon Brando.

Das letzte Jahr in dieser Chronik ist 2015, das Album des Jahres Kendrick Lamars "To Pimp A Butterfly". Mindestens drei Künstler bezogen sich in diesem Jahr auf die Geschichte des Souls. Mit diesem Buch ist ein gelungener Almanach vorhanden, um zu verstehen, welchen massiven Einfluss Black Music hatte und immer haben wird.





Schlagwörter

Black Music, Comic, Blues, Soul, Rap, Pop

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-10 16:53:27
Letzte Änderung am 2019-01-11 07:52:16



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