• vom 10.02.2019, 08:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Pop-CD

Ein Panda Bear, der auch singen kann




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Von Bruno Jaschke

  • Noah Lennox zeigt auf seinem neuen Album mehr Präsenz denn je.



Information

Panda Bear
Buoys
(Domino/GoodToGo)

Um die Wahrheit zu sagen, haben Animal Collective und insbesondere ihr Primus inter Pares, David Portner alias Avey Tare, ihrer Gefolgschaft in den letzten Jahren viel abverlangt. Sowohl das Avey-Tare-Soloalbum "Eucalyptus" (2017) als auch der Collective-Longplayer "Tangerine Reef" (2018) waren vertrackte Hörspiele mit versponnenen musikalischen Texturen, die den Begriff Pop, sagen wir es so, einigermaßen großzügig auslegten: Manchmal eindrucksvoll in ihrer Impressivität; rührend in ihrer Emotionalität und impliziten Trauer über die Vergänglichkeit von Naturschönheiten und menschlichen Bindungen - aber schon auch ein bisserl strapaziös.

Beim letzten AC-Album war, aus welchen Gründen auch immer, Noah Lennox alias Panda Bear nicht mehr an Bord. Er lässt jetzt dafür mit seinem "Buoys" betitelten neuesten Solostreich von sich hören. Ironischerweise mutet dieser - wie "Tangerine Reef" - auch recht maritim an: Ständig blubbert und platscht da etwas, rauschen Wellen, aus deren Tiefen hin und wieder Laute von Delfinen oder Walen hochzusteigen scheinen.

Und doch ist "Buoys" eine einnehmende, mit viel Akustik-Gitarre als Elektronik-Folk angelegte Popplatte mit einigen der schönsten Songs, die Lennox je geschrieben hat. Und er verleugnet nicht länger, dass er tatsächlich singen kann. Statt seine Vocals auf Lo-Fi-Level ständig hochzupitchen, dass sie wie pennälerhafte Überstimmen bei den Beach Boys klingen, lässt er sie, nur sporadisch von etwas Hall verstärkt, im natürlichen Modus gewähren.

Das gibt der Platte Persönlichkeit, Volumen und eine Präsenz, die sich so unmittelbar früher nicht äußerte. Dass Lennox sich auf satte Melodien und treffende Hooklines versteht und in "I Know I Don’t Know" glatt an die frühen Hidden Cameras anstreift, tut ihr natürlich auch keinen Abbruch.

Die Texte sind kryptisch wie eh und je, scheinen zwischen Fetzen von Realität und Tagtraum zu oszillieren - oder sich auf eine Stenosprache einzukürzen, die nur (der in Lissabon lebende) Lennox versteht. Es ging aber bei Panda Bear nie um das Vermitteln von Inhalten auf der verbalen Ebene.

Hier erzählt die Musik - Klangsprache im wahrsten Wortsinn.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-02-07 13:53:49
Letzte Änderung am 2019-02-07 14:40:53




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