• vom 30.11.2012, 08:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 30.11.2012, 11:06 Uhr

Islamismus

Koran statt Musik




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Von WZ Online / Christa Hager

  • Stille im Norden Malis
  • Im Norden Malis haben islamistische Banden die Macht übernommen, Musiker flüchten.

Mali inspiriert und begeistert seit Jahrzehnten Menschen aus aller Welt mit seiner vielfältigen Musikszene: Sei es durch die Künstler in der Tradition der Griots, die Jahrhunderte als fahrende Musiker durch die Länder zogen, sei es durch die Blueslegende Ali Farka Touré, den Elvis aus Mali, Boubacar Traoré, oder sei es durch die Nomadenrocker Tinariwen: das Land ist international berühmt für seine musikalische Tradition und Qualität. Doch in Mali droht eine islamitische Revolution und damit das Verstummen der musikalischen Vielfalt wenn nicht von Musik überhaupt.


Im Norden des Landes haben islamistische Banden die Macht übernommen und "weltliche Musik" verboten. Mit satanischer Musik müsse Schluss sein, stattdessen müsse es Koranverse geben, gab im August ein Sprecher der islamistischen Bewegung für die Einheit und den Jihad in Westafrika (MUJAO) bekannt.

In der westafrikanischen Republik stürzte im März dieses Jahres eine Gruppe von Soldaten den langjährigen Präsidenten Amadou Toumani Touré. In dem Machtvakuum nach dem Putsch gelang es Tuareg-Rebellen und mehreren islamistischen Gruppen, den Norden Malis unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Tuareg-Rebellen wurden jedoch zunehmend von den Islamisten der MUJAO und des Al-Kaida-Ablegers Ansar Dine vertrieben – zu den Tuareq zählt auch die bekannte Band Tinariwen, die traditionelle Klänge der Nomanden mit Elementen der westlichen Rockmusik vermischt.

Das Verbot bedeutet auch ein Ende der vielen Musikfestivals die dort viele Jahre lang stattgefunden haben. So zum Beispiel seit 2001 das Desert Festival nahe Timbuktu. Wegen des Musikverbots im kommenden Jahr wird das Festival wandern -  in guter "nomadischer Tradition", wie die Festivalleitung mitteilte. Die Musikkarawane werde in Mauretanien beginnen und via Burkina Faso in Bamako, in Malis Hauptstadt, enden. "Der brutale Klang der Waffen und das Geschrei der Intoleranz können die Klänge der Imzag (Violine), der Tinde (Trommel) und die Gesänge der Griots nicht zum Verstummen bringen", heißt es auf der Website der Veranstalter weiter dazu.

Information

Siehe dazu auch die Dokumentation auf Arte: Mali - Musik gegen Islamisten und das Interview des Bassisten der Tuareq-Band Tinariwen, Eyadou Ag Leche: "Wir wollen als freie Menschen in unserer Heimat leben"

"Kultur ist unser Öl

Einer der prominentesten Vertreter der Griots ist der renommierte Kora-Spieler Toumani Diabaté. Gegenüber dem The Guardian betonte der Künstler die Rolle Malis im internationalen Musikgeschäft: "Kultur ist unser Öl, Musik unser Reichtum. Es gibt keinen einzigen wichtigen internationalen Musikpreis, den noch kein malischer Künstler gewonnen hat" (siehe Bildergalerie).

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Schlagwörter

Islamismus, Musik, Mali

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2012-11-29 15:02:00
Letzte Änderung am 2012-11-30 11:06:37



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