• vom 15.12.2013, 12:24 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 05.03.2014, 21:38 Uhr

Freie Improvisation

Lee/Yeh/Marhaug, Wake Up Awesome




  • Artikel
  • Fotostrecke
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Musik im Augenblick: Spontane Kreativität und Klänge des Moments: "Wake Up Awesome", vom temporären Trio Lee/Yeh/Marhaug

Revivals, Retro, Remakes: Hätte eine Gesellschaft die Musik, die sie verdient, dann stünde es um unsere nicht gut. Zwar werden Jahr ein Jahr aus viele gute Platten produziert, trotzdem ist unter den Sternen der EU und USA musikalisch schon lange nicht viel Neues passiert. Die Quellen der Inspiration scheinen versiegt. So liegt die letzte originelle Phase in der populären Musik mit Techno und seinen Ablegern in den 1980er Jahren, frühen 1990er Jahren, und selbst hier ist die Originalität nur eine vermeintliche – denkt man an die elektro-akustischen Vorläufer des Futurismus oder an die Ursprünge von Roots und Reggae in der Subkultur der 1970er.

Frischer Wind hat sich allerdings bis heute in der freien Improvisation gehalten. Gemeinsam mit Free Jazz sorgen Musiker der Szene auch heute noch für Entdeckungslust in der Musik. Freie Improvisation entstand in Europa der 1960er Jahre im Gefolge der Free-Jazz- Bewegung der USA, als sich diese von Melodie und reguläre Rhythmen verabschiedet hatten. Damals waren Free Jazz und Improvisation als musikalische Antizipation einer befreiten Gesellschaft auch politische Statements. Heute sind sie Antipode zu den solitären Singer-Songwriter. Was zählt ist Interaktion, das Kollektiv gibt den Ton an.


Und freie Improvisation folgt gewissen Regeln: auf leise folgt laut, auf langsam schnell, Geschwindigkeit mündet in Dichte. Meist gibt ein Instrument das Motiv vor, um das herum sich langsam die anderen Instrumente gruppieren. Das Motiv wird überlagert, variiert, umspielt, aber es bleibt präsent, es stiftet Zusammenhang. Und was zählt, ist der Moment. Derek Bailey, einer der Protagonisten der Szene der ersten Stunde, beschrieb diese Methode einmal als "Musizieren ohne Erinnerung".

Heute liegt der Fokus neben Elektronik und Sampling vor allem auf Instrumenten als Quelle von Geräuschen. Zu den umtriebigsten Musikern dieser Szene zählt die Südkoreanerin Okkyung Lee, die als Schützling von John Zorn bekannt wurde. Sie tourt ungebremst durch die Welt und nimmt nebenbei noch viele Alben auf, darunter "Wake Up Awesome", in Zusammenarbeit mit Lasse Marhaug, dem Jazzkammer Mitglied aus Norwegen, und C. Spencer Yeh, dem Multimedia-Künstler aus New York.

Das Album ist der zweite Tonträger auf dem SStudios-Schiene des Labels Software Recording aus Brooklyn, das sich der Veröffentlichung von spontaner Kreativität verschrieben hat. Es gibt zum Teil prägnante und ruhige, zum Teil aufwühlende und verstümmelte Tönen und Geräuschen wieder. Die Stücke sind kurz und orientieren sich an den konventionellen Längen von Liedern: Sie dauern rund drei Minuten.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2013-12-09 14:25:14
Letzte Änderung am 2014-03-05 21:38:30



Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Sex mit Zeus
  2. Was ist "das Leitkultur"?
  3. Europäische Serien dominierten Emmy Awards
  4. Versprochene Paradiese und tatsächliche Höllenfahrten
  5. Red-Bull-Media expandiert
Meistkommentiert
  1. Lang lebe Europa!
  2. Rene Benko steigt bei "Krone" und "Kurier" ein
  3. Presserat rügt "Wochenblick"
  4. Ars Electronica bringt "Error" von Linz nach Berlin
  5. Venus, Warhol oder Papagei


Quiz


Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher

Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913 "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.

Ignaz Kirchner als "Samiel", 2007, während der Fotoprobe von "Der Freischuetz" in Salzburg.  Das Tutu ist das Spezifikum der Ballerina, die elfengleich über die Bühne schwebt.


Werbung