• vom 21.12.2013, 08:30 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 21.12.2013, 10:33 Uhr

Heinz Conrads

"Johnny Cash des Wienerlieds"




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Von Barbara Dürnberger

  • Zum 100. Geburtstag von Heinz Conrads zeigt ORFIII eine Dokumentation über den legendären Entertainer
  • Der ORF widmet seinen Legenden wie Conrads oder Schifter Fernsehporträts.

Heinz Conrads, Entertainer der alten Schule, wäre am Samstag 100 Jahre alt geworden.

Heinz Conrads, Entertainer der alten Schule, wäre am Samstag 100 Jahre alt geworden.© ORF Heinz Conrads, Entertainer der alten Schule, wäre am Samstag 100 Jahre alt geworden.© ORF

Gefühlte 300 Wörter pro Minute kamen über seine Lippen, wenn er in Fahrt war. Mit seinem markanten Gesicht und dem verschmitzten Lächeln zählte er jahrzehntelang zu den beliebtesten Entertainern im Nachkriegs-Österreich und prägte durch seinen einzigartigen und unvergesslichen Moderationsstil das Fernsehgeschehen des "neuen Österreichs". Am heutigen Samstag wäre Heinz Conrads 100 geworden.


"Man muss etwas tun, damit der Heinz Conrads ein Begriff bleibt. Das wird nicht für ewig sein, aber zumindest für eine sehr lange Zeit", formuliert Schauspielkollege und Conrads-Wegbegleiter Peter Fröhlich die Notwendigkeit, Legenden wie Conrads nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Der heimische Kultursender ORFIII kommt der Aufforderung nun in Form eines Schwerpunkts nach. Bereits seit einer Woche werden in Radio und Fernsehen Sendungen und Filme mit der ORF-Legende ausgestrahlt. Den Höhepunkt bildet die Dokumentation "ORF-Legenden: Heinz Conrads" (Sa., 21.40 Uhr, ORFIII), in der das Leben Conrads noch einmal neu erzählt wird.

Schon bei der Vorabpräsentation erzählte Regisseur Robert Tauber nicht nur von den zahlreichen Stunden, die er im ORF-Archiv zubrachte, um Conrads beste Momente noch einmal auf den Bildschirm zu bringen, sondern verspricht auch, dass man ihn in der Doku noch einmal so erleben wird, wie er wirklich war, als "den Johnny Cash des Wienerlieds". Und tatsächlich: Der Ausschnitt aus der Legenden-Reihe zeigt neben allerlei kurioser Frisuren und noch kurioseren Kostümen einen "Volksmensch", dem sein Publikum am Herzen lag und der nur dann zufrieden war, wenn er eine perfekte Show ablieferte.

Seine Zuschauer dankten es ihm. So lief seine Fernsehsendung "Guten Abend am Samstag" fast 30 Jahre, die Radioshow "Was gibt es Neues?" sogar 40 Jahre, was ihm einen Eintrag ins Buch der Rekorde sicherte. Beide Shows fanden erst ihr Ende mit dem Tod des Entertainers 1986.

Damit aber noch nicht genug der Legenden. Denn auch einem weiteren Urgestein der österreichischen Unterhaltungsindustrie wird ein Denkmal gesetzt. Zwar um ein Jahrzehnt jünger als Conrads, doch um keinen Deut leiser, ist auch Günther Schifter Teil der ORF-Reihe. Er wäre heuer 90 Jahre alt geworden. Wie auch bei Conrads, gibt die Dokumentation "ORF-Legenden: Günther ,Howdy‘ Schifter" (28.12., 21.45 Uhr, ORFIII) unter der Regie von Siegfried Steinlechner einen Einblick in das bewegte Leben des kultigen Moderators. Mit seinen Musikmoderationen hat er Jahrzehnte lang das Radiohören in Österreich mitentwickelt und war auch an der Gründung von Ö3 maßgeblich beteiligt. Schifter liebte die Musik und lebte diese Liebe im Radio und Fernsehen zur Genüge aus. Vor allem der amerikanische Jazz begeisterte ihn. Eine Begeisterung, die ihn zur Zeit
der nationalsozialistischen Herrschaft, in der Jazz als "undeutsch" angesehen wurde, sogar ins Gefängnis brachte.

1955, dem Gründungsjahr des ORF, kam dann seine große Stunde: In seiner eigenen Radiosendung spielte er Woche für Woche Platten aus seiner Sammlung, die über 35.000 Stück fasste, und führte im Fernsehen Gespräche mit den Weltstars von damals. Benny Goodmann, Josephine Baker, Nat King Cole oder der große Louis Armstrong - Schifter interviewte sie. In einem Interview sagte "Mister Schellack": "Und ich würde, wenn ich noch einmal anfangen müsste, noch einmal anfangen, genau dasselbe zu tun."

Die beiden Legenden verband übrigens auch eine jeweils legendäre Begrüßung. Während sich Schifter dabei mit einem knappen "Howdy" begnügte, waren es bei Conrads folgende Worte: "Guten Abend die Damen, guten Abend die Herren, guten Abend die Madln, servas die Buam!"




Schlagwörter

Heinz Conrads, Johnny Cash

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Dokument erstellt am 2013-12-20 16:20:08
Letzte Änderung am 2013-12-21 10:33:55



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