• vom 28.01.2014, 14:10 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 23.07.2014, 19:57 Uhr

Musikindustrie

Weltzustimmungsmusik für Millionen




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Von Christa Hager

  • Der Konzertveranstalter und Autor Berthold Seliger im Interview über Kulturindustrie, Neo-Biedermeier und Gehirnwäsche.

Berthold Seliger (1960) lebt in Berlin und ist seit 26 Jahren Tourneeveranstalter. 

Berthold Seliger (1960) lebt in Berlin und ist seit 26 Jahren Tourneeveranstalter. © Laschitzki Berthold Seliger (1960) lebt in Berlin und ist seit 26 Jahren Tourneeveranstalter. © Laschitzki

Weltweit gibt es 1426 Milliardäre. Einer davon ist der Deutsche Klaus-Peter Schulenberg, Chef von Eventim, dem größten Tickethändler Europas. Er hat es binnen 17 Jahren geschafft, in die Liste der reichsten Menschen zu kommen. Wie ist das möglich? Das Ticketgeschäft ist ein eines Provisionsgeschäft, besonders beim Internetverkauf liegt die Wertschöpfung sechsmal höher als beim normalen Verkauf, schreibt der Berliner Konzertveranstalter Berthold Seliger in seinem Buch "Das Geschäft mit der Musik. Ein Insiderbericht." (erschienen 2013 im Tiamat Verlag). Seine Hauptthese: In den vergangenen Jahren kam es in allen Bereichen der Musikindustrie zu einer gewaltigen Monopolisierung. Diese neuen Megakonzerne bedrohen die Vielfalt der Popmusik.  Die "Wiener Zeitung" traf den Autor auf seiner Lesereise durch Österreich im Welser Schlachthof.

*****

Wiener Zeitung: In ihrem Buch schreiben Sie, dass die Musik heute brav ist und nur ein "like" auf Facebook will. Steckt hier nicht ein nostalgischer Bick zurück dahinter: Früher war alles besser - auch die Musik?

Information

Berthold Seliger: "Das Geschäft mit der Musik. Ein Insiderbericht" (Edition Tiamat, 2013).


Berthold Seliger: Überhaupt nicht.

Was stört Sie dann daran?

Mich stört die angepasste Weltzustimmungsmusik. Diese Musik will nur eine kleine Zustimmung, sie will aber nicht aufrütteln. Aber genau das sollte Kunst machen. Wenn Sie aus einer großartig gespielten Beethoven-Symphonie aus dem Konzertsaal gehen, dann ist im Idealfall die Welt eine andere: Es werden Perspektiven mitgeteilt, die Ihren Kosmos ändern können. Das kann und soll Kunst machen. Musik soll klar formuliert und anspruchsvoll geschrieben sein, damit sie die Welt und die Menschen verändern kann.

Popmusik, Popkultur – verstehen Sie Pop in dieser Hinsicht, als  subversiv, rebellisch oder mehr im Sinne von populär, von Massenkultur.

Der Begriff beinhaltet beides. Popkultur kommt vom Rand der Gesellschaft, von "outside the society", wie Patti Smith singt. Ich denke nicht, dass man aus der Mitte der Gesellschaft große Kunst machen kann, die die Gesellschaft vorantreibt. Dass Popkultur heutzutage auch einen Mainstream-Aspekt hat, das ist ganz klar. Madonna zum Beispiel ist ja definitiv Teil der Popkultur und definitiv Mainstream. Was allerdings kein Qualitätskriterium ist, weder in diese noch in die andere Richtung.

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Dokument erstellt am 2014-01-28 13:24:33
Letzte Änderung am 2014-07-23 19:57:37



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