• vom 13.11.2014, 16:39 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 13.11.2014, 16:59 Uhr

Music-Festival

Der blaue Vogel vom Fruchtbaum




  • Artikel
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Gerald Schmickl

  • Zum zehnten Mal geht das Folk-Festival "Blue Bird" heuer über die Bühne. Ein Gespräch mit den Veranstaltern über Anfänge, Höhepunkte und Veränderungen in der Szene.

Das "Blue Bird"-Team mit Jenny Blochberger (links, hinten) und Klaus Totzler (rechts).

Das "Blue Bird"-Team mit Jenny Blochberger (links, hinten) und Klaus Totzler (rechts).© Armin Rudelstorfer Das "Blue Bird"-Team mit Jenny Blochberger (links, hinten) und Klaus Totzler (rechts).© Armin Rudelstorfer

Seit 2005 gibt es das Music-Festival "Blue Bird" in Wien, das eine treue Fangemeinde hat und die Stadt jeden November mit teils prominenten, teils unbekannteren Musikern aus dem erweiterten Bereich des Independent Folk bekannt macht und beglückt. Die "Wiener Zeitung" sprach mit den beiden Hauptveranstaltern aus der siebenköpfigen Vienna Songwriting Association, Jenny Blochberger, Pressefrau von FM4, und Klaus Totzler, (Pop-)Musikredakteur beim ORF.

"Wiener Zeitung": Woher kommt der Name "Blue Bird"?

Information

Blue Bird 2014 - das Programm

Donnerstag, 20.11.

Patrick Wolf (UK)
Gravenhurst (UK)
How To Dress Well (US)
I am Oak (NL)

Freitag, 21.11.
Dry the River (UK)
David LeMaitre (BOL)
Fräulein Hona (AT)
Christy & Emily (US)

Samstag, 22.11.
John Bramwell/I am Kloot (UK)
Elle King (US)
Soak (UK)
Schmieds Puls (AT)
Phox (US)

Porgy & Bess,
Riemergasse 11, 1010 Wien.

Weitere Infos:
www.songwriting.at

Hörtipp:
Rechtzeitig zum Festival ist die (Doppel-)CD "Between The Lines 6" mit zahlreichen Interpreten und einigen Live-Mitschnitten vom "Blue Bird" 2013 erschienen (Hoanzl).


Jenny Blochberger: Von einer Mitarbeiterin, die eine Inspiration hatte. Er ist ihr, glaube ich, im Traum erschienen. Also kein durchdachtes Konzept, sondern einfach eine gefühlsmäßige Beschreibung des Festivals. Klaus hat zwar eine schöne Erklärung dafür, aber tatsächlich war es eine spontane Eingebung.

Wie sieht die "schöne Erklärung" aus?

Klaus Totzler: "Blue" ist bekanntlich die Farbe der Melancholie, die man auch mit ein bisschen Traurigkeit verbindet. Damit das Ganze aber nicht zu traurig wird, wie in manchen Singer/Songwriter-Kreisen üblich, kommt der Vogel dazu: der liegt nicht da und weint, sondern er fliegt. Es ist die Kombination, die abhebt.

Begonnen hat alles vor zehn Jahren mit einer Nick-Drake-Gedächtnis-Veranstaltung zu dessen 30. Todestag. Warum Nick Drake?

Totzler: Er war damals der einzige Musiker, auf den wir uns im kleinen Privatkreis einigen konnten . . .

Blochberger: . . . Auf Joni Mitchell hätten wir uns auch einigen können, aber die lebt halt noch. . .

Totzler: . . . jedenfalls hatten wir die gemeinsame Idee, etwas zu organisieren. Es sind dann schließlich 17 Acts aufgetreten, die drei oder vier Songs spielten, von denen zumindest einer von Nick Drake war. Wir haben das Ganze "Fruit Tree" genannt, wie die Compilationbox mit drei Drake-Alben darin (1986). Finanziert wurde es als Charity-Event: Die Einnahmen kamen Kindern aus Kriegsgebieten zugute. Alle Interpreten spielten kostenlos - und das Porgy & Bess war schon damals ausverkauft.

Auf diesem "Fruchtbaum" hat sich dann der "blaue Vogel eingenistet?

Totzler: Wir haben gesehen, dass wir so etwas organisieren können, also warum sollten wir diese Begabung brachliegen lassen? Es ist eine Art Sucht daraus geworden: Es war einfach geil - und wir wollten mehr davon. Daher haben wir relativ bald, rund drei Monate nach dem Drake-Abend, ein Konzert mit drei bis vier Acts im Fluc veranstalten wollen, das aber eine Woche davor zugesperrt wurde. Schließlich sind wir wieder im Porgy gelandet, wo diese Veranstaltung einfach an eine andere drangehängt wurde. Und damit waren wir nun so richtig im Veranstalten drinnen und haben, auch aus Steuergründen, einen Verein gegründet, die "Vienna Songwriting Association" (VSA).

Das war aber noch nicht die eigentliche Blue-Bird-Geburt, sondern es waren die ersten kräftigen Wehen . . .

Totzler: Wir haben gespürt, dass wir etwas Größeres machen wollen - und haben dafür wieder den Zeitraum um Nick Drakes Todestag (25. November 1974, Anm.) herum angepeilt. Davor haben wir noch eine kleine Konzertreihe namens "VSA presents" im "Gasthaus Vorstadt" veranstaltet - das war unsere Übungsplattform fürs "Blue Bird".

Ihr habt also praktisch in der Vorstadt geübt, was dann in der Innenstadt (wo sich das Porgy & Bess befindet) vollendet wurde.

Totzler: Ja, das erste "Blue Bird" fand 2005 statt - allerdings an drei Locations: einen Tag im "Porgy", einen in der "Szene Wien" und einen in der "Vorstadt".

Blochberger: An die heute üblichen drei Tage im Porgy mussten wir uns erst herantasten - und vor allem den Betreiber überzeugen, dass wir seinen Klub auch an drei Abenden füllen können. Was uns ja bald gelungen ist.

Was war der Anspruch, als "Blue Bird" nunmehr auf der Welt war und zu flattern begann?

Blochberger: Unsere Vorstellung war einfach, dass wir dort unsere Lieblingsband hören wollten. Aber es war klar, dass wir das nur in einem bestimmten musikalischen Segment machen können, nämlich Folk in allen Spielarten.

Totzler: Wir hielten uns von Anfang an mehr an Independent-Folk als an Singer/Songwriter, worunter bei uns ja oft "Liedermacher" verstanden wird. Wir wollten aber keinen neuen Franz-Josef Degenhardt entdecken, sondern Musik aus unserer Zeit mit allen ihren Ausdrucksmöglichkeiten fördern. Ich glaube generell, dass Popmusik immer nur dann gut ist, wenn sie etwas über die Zeit aussagt, in der sie entstanden ist.

Diesem Profil ist die Veranstaltung bis heute treu geblieben: eine offene Wundertüte für geradlinigen bis extrem schrägen Folk, wobei der Song als gegenwärtige Kunst- und Ausdrucksform im Mittelpunkt steht.

Totzler: Ja, reduzierte Instrumentierung, reduzierte Kompositionsformen, reduzierte Arrangements - im Grunde die klassische Liedform, wie man sie seit Walther von der Vogelweide kennt . . .

. . . schon wieder ein Vogel! Wobei Reduktion ja nicht heißt, dass nur Solisten auftreten, sondern auch größere Ensembles. Welche Bandgrößen hattet ihr schon?

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-11-13 16:44:05
Letzte Änderung am 2014-11-13 16:59:02



Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Sex mit Zeus
  2. Was ist "das Leitkultur"?
  3. Europäische Serien dominierten Emmy Awards
  4. Versprochene Paradiese und tatsächliche Höllenfahrten
  5. Red-Bull-Media expandiert
Meistkommentiert
  1. Lang lebe Europa!
  2. Rene Benko steigt bei "Krone" und "Kurier" ein
  3. Ars Electronica bringt "Error" von Linz nach Berlin
  4. Venus, Warhol oder Papagei
  5. Weißes Haus verteidigt sich mit Fake-Video


Quiz


Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher

Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913 "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.

Ignaz Kirchner als "Samiel", 2007, während der Fotoprobe von "Der Freischuetz" in Salzburg.  Das Tutu ist das Spezifikum der Ballerina, die elfengleich über die Bühne schwebt.


Werbung