• vom 13.03.2015, 15:30 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 13.03.2015, 16:17 Uhr

Pop

Wegweisende Wurzelforschung




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Von Bruno Jaschke

  • Ernst Molden und Der Nino aus Wien covern auf dem gemeinsamen Album "Unser Österreich" heimische Pop-Klassiker von Danzer, Ambros, Falco & Co.

"Wir sind beide dankbar, dass wir diese Platte jetzt haben": Der Nino aus Wien (rechts) und Ernst Molden über ihr gemeinsames Album "Unser Österreich".

"Wir sind beide dankbar, dass wir diese Platte jetzt haben": Der Nino aus Wien (rechts) und Ernst Molden über ihr gemeinsames Album "Unser Österreich".© Ronnie Niedermeyer "Wir sind beide dankbar, dass wir diese Platte jetzt haben": Der Nino aus Wien (rechts) und Ernst Molden über ihr gemeinsames Album "Unser Österreich".© Ronnie Niedermeyer

Die"Wiener Zeitung" hat es bereits vor fünf Jahren (mit dem Artikel "Die Enkel des g’schupften Ferdl" am 23. Oktober 2010) konstatiert; inzwischen sind auch die etwas langsameren Zeitgenossen draufgekommen: "Es findet im Moment eine starke Aufwertung des Austropop statt".

Das war denn auch die meiststrapazierte Floskel, mit der Ernst Molden und Nino Mandl alias Der Nino aus Wien konfrontiert waren, als sie sich nun anlässlich ihres gemeinsamen Albums "Unser Österreich" den Fragen der Journalisten stellten. Der darin unausgesprochen mitschwingende Vorwurf läuft natürlich darauf hinaus, die beiden würden sich an einen Trend anhängen, wenn sie nun Songs österreichischer Pop-Ikonen wie Georg Danzer, Wolfgang Ambros, Sigi Maron, Falco, André Heller oder Ludwig Hirsch covern. Zieht man simpel in Rechnung, dass Molden wie auch Mandl mit ihren regulären Alben ihrerseits erheblich zum Erstarken der österreichischen Populärmusik beigetragen haben, kann man die begnadete Idiotie einer solchen Unterstellung mit gebührender Andacht ermessen.


Minimal-Besetzung
In Wahrheit schwelt das Projekt schon jahrelang: Molden wollte nämlich seinen Alben "Foan" und "Weida Foan", auf denen er Songs angloamerikanischer Heroen wie etwa Bruce Springsteen, Blind Lemon Jefferson oder Will Oldham auf Wienerisch coverte, ein Album mit dem Titel "Ham Foan" folgen lassen, das dann den heimischen Vorbildern Reverenz erwiesen hätte. "Es ist mir dann aber komisch vorgekommen, das allein zu machen. Denn das waren die ersten Lieder, die ich spielen konnte, Anfang der 80er Jahre am Lagerfeuer, und es hätte sich im Kontext meines gegenwärtigen Status eigenartig ausgenommen", erzählt Molden. "Dann haben Nino und ich eine Serie von Konzerten gespielt und diese Lieder in den Zugabenblock integriert. Angefangen hat’s mit Und dann bin i ka Liliputaner mehr von Heller."

"Nach ein paar Konzerten, als wir merkten, dass es Spaß macht, haben wir angefangen, aufzunehmen", fährt Mandl fort. Vier Songs, die sich über regelmäßige Treffen auf zwölf auswuchsen, gingen zunächst aufs Band. Eingespielt wurde das Ganze in Minimal-Besetzung. Walther Soykas Ziehharmonika-Beitrag zum Bänkellied "Im Grünen Wald von Mayerling" - bekannt durch Heller/Qualtinger und neben Falcos "Nachtflug" das einzige Lied in (wenn auch angewienertem) Hochdeutsch - ausgenommen, wird das aus Mundharmonika sowie akustischen und elektrischen Gitarren bestehende Instrumentarium von den beiden Protagonisten alleine geschupft. In zehn der Songs teilen sich Molden und Mandl den Lead-Gesang.

Falcos "Nachtflug" singt Mandl solo. "Ich wollte einmal ein Falco-Lied nur mit Akustik-Gitarre spielen. Und ich spiele das wahnsinnig gerne so country-mäßig", erzählt er. "Man kann Falco eigentlich nicht direkt nachmachen. Man kann es nur so machen wie Nino bei Nachtflug, dass es klingt wie ein italienisches Cantautore-Lied", ergänzt Molden.

"Sagenhafte Lieder"
Den anderen Alleingang verübt Molden mit Ludwig Hirschs "Der Zwerg". Es ist eine Art Vergangenheitsbewältigung, denn als Jugendlichem habe ihm, wie er bekennt, das bedrückende Lied über menschliche Deformation und Bösartigkeit Angst gemacht. In Moldens Deutung mit raumgreifender E-Gitarre und beschwörendem, den Hörer gewissermaßen zum Vertrauten machenden Gesang nimmt der Song fast eine Anmutung an, wie sie etwa den raueren Balladen eines Cass McCombs eignet.

"Unser Österreich" wird - für diese Prognose braucht es nicht viel Mut - ein Erfolg werden. Nicht nur deshalb, sondern auch weil sie sich als wegweisend für ähnliche Wurzelforschungs-Unternehmungen herausstellen könnte, ist die Frage nach einem allfälligen Nachfolgeprojekt unausweichlich. "Auszuschließen ist es nicht", sagen beide unisono.

"Wir sind beide dankbar, dass wir diese Platte jetzt haben", erläutert Molden. "Wir haben in den letzten Jahren so viele Platten mit eigenen Sachen gemacht, dass es jetzt einmal ganz angenehm ist, ohne eigene neue Songs auf Tour gehen zu können. Irgendwann wollen wir einmal ein Album gemeinsam schreiben. Sagenhafte Lieder soll es heißen."

Ernst Molden & Der Nino aus Wien: Unser Österreich (Monkey/Rough Trade)




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Dokument erstellt am 2015-03-13 12:17:04
Letzte Änderung am 2015-03-13 16:17:45



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