• vom 15.08.2015, 15:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 11.08.2016, 15:49 Uhr

1975

Liebesreigen und Fuzz-Freakouts




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Neil Young & Crazy Horse:"Zuma"

Nach der durch den Drogentod zweier enger Freunde ausgelösten düsteren Trilogie aus "Time Fades Away", "On The Beach" und "Tonight’s The Night" fand der nach Willie Nelson zweitgrößte Marihuana-Freund Amerikas wieder zu etwas Lebensfreude und spielte mit der besten Garagenband der Welt ein Album ein, das Hippies und Gitarrenfans in aller Welt begeisterte. Höhepunkt der an Knallern nicht armen Scheibe ist "Cortez The Killer", Youngs psychedelische Abrechnung mit den Konquistadoren und der unfassbaren Blutspur, die diese durch Lateinamerika zogen.

Auf "Zuma" perfektionierte Neil auch sein Gitarrenspiel zu einem selbstbewussten, unverwechselbaren Stil mit lange gezogenen, klagenden Tönen und sirrend verzerrten Fuzz-Freakouts. Und nach einer elektrischen Tour de Force umgarnt einen das mit David Crosby und Graham Nash eingespielte "Through My Sails" wie eine sanfte Aufforderung, in den Sonnenuntergang zu segeln.

Frank Zappa & CaptainBeefheart: "Bongo Fury"

Die beiden einflussreichsten Künstler der amerikanischen Gegenkultur auf einer Platte - das darf man sich nicht entgehen lassen. Das Album wurde teils live, teils im Studio eingespielt und featured einige der besten Gitarrensoli, die Zappa je gespielt hat, während Beefheart den Sound mit seiner unnachahmlichen Stimme, seiner Mundharmonika und Einkaufssäcken (!) bereichert. Der raue, protopunkige Blues des Captains trifft auf Zappas hochkomplexe Kompositionen und heraus kommt dabei ein Werk, das wohl an den Mainstream gewöhnte Ohren überfordern mag, aber Liebhaber etwas anspruchsvollerer Musik begeistern sollte.

The Who: "The WhoBy Numbers"

Ein letztes Mal präsentierten sich die Mods in Hochform und hauten ein Album raus, das keinen einzigen Lückenbüßer enthielt. Okay, vielleicht mit Ausnahme des zotig-besoffenen "Squeeze Box". Aber sonst geht hier ab dem Eröffnungssong, "Slip Kid", die Post ab, aggressiv, juvenil, auf Macho getrimmt. Und manchmal auch hochsensibel, wie etwa mit "They Are All In Love" oder "Imagine A Man". Diese LP ist der Schlussakkord der kreativsten Phase der Band, die wie keine andere für zornige und verletzte junge Männer musizierte, für Arbeiter, Biertrinker und Speed-Einwerfer, nicht aber für Gymnasiasten und Kunststudierende.

Lou Reed: "ConeyIsland Baby"

Mitte der 70er Jahre befand sich Reed in einer gefährlichen Abwärtsspirale aus harten Drogen, extremen sexuellen Eskapaden und Alkoholismus. Das hinderte ihn nicht daran, mit dieser Platte ein ungewöhnlich optimistisch klingendes Pop-Meisterwerk zu produzieren, das noch ein bisschen den Hauch von Glamrock versprühte, aber streckenweise stark an Reeds frühere Band The Velvet Underground gemahnte. Nach einigen eher flotten Nummern zeigte der Titeltrack am Schluss, dass Reed getragene Balladen voller Melancholie und Abgeklärtheit schreiben konnte wie kein anderer.

John Cale: "Helen Of Troy"

Mit seinem früheren Bandkollegen und ewigen Konkurrenten Lou Reed verband John Cale ein Gespür für den nahezu perfekten Popsong und die Lust daran, es ordentlich krachen zu lassen - musikalisch wie auch beim Drogengebrauch.

Auf "Helen Of Troy" nahm Cale mit "I Keep A Close Watch" nichts weniger als einen der schönsten Songs der 70er Jahre auf. Doch wer sich davon einlullen lässt, wird spätestens vom Lied "Engine", auf dem Cale eine Ballade in eine verstörende Kakofonie aus Geschrei und aus dem Ruder laufenden Harmonien verwandelt, aus den süßen Träumen gerissen. Dieser Platte verdanken wir übrigens auch die wertvolle Mitteilung "Pablo Picasso never was called an asshole".

Weitere wichtige Platten aus dem Jahr 1975:

Led Zeppelin: "Physical Graffiti"; Joni Mitchell: "The Hissing Of Summer Lawns"; Steely Dan: "Katy Lied"; Black Sabbath: "Sabotage"; AC/DC: "High Voltage"; Fleetwood Mac: "Fleetwood Mac"; David Bowie: "Young Americans"; Neu: "Neu!"; Supertramp: "Crisis? What Crisis?"; Paul Simon: "Still Crazy After All These Years"; Jeff Beck: "Blow By Blow"; George Harrison: "Extra Texture (Read All About It)"; Roxy Music: "Siren"; The Band: "Northern Lights - Southern Cross"; The Grateful Dead: "Blues For Allah"; Little Feat: "The Last Record Album"; Deep Purple: "Come Taste The Band"; The Tubes: "The Tubes"; Lynyrd Skynyrd: "Nuthin’ Fancy"; Parliament: "Chocolate City"; Roy Harper: "HQ"; Fairport Convention: "Rising For The Moon"; Richard & Linda Thompson: "Pour Down Like Silver"; The Kinks: "Soap Opera"; Joan Baez: "Diamonds And Rust"; Wolfgang Ambros: "Es lebe der Zentralfriedhof"; Bad Company: "Straight Shooter"; War: "Why Can’t We Be Friends?"; Eric Burdon Band: "Stop"; The Doobie Brothers: "Stampede"; Rory Gallagher: "Against The Grain"; Manfred Mann’s Earth Band: "Nightingales And Bombers"; Crosby & Nash: "Wind On The Water"; Focus: "Mother Focus"; The Allman Brothers Band: "Win, Lose Or Draw".

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2015-08-13 15:23:05
Letzte Änderung am 2016-08-11 15:49:31



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