• vom 02.04.2016, 14:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Pop-CD

Unheilvoll-gleichnishaft




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Von Bruno Jaschke

  • Gelungene Synthese: Yeasayer und ihr neues Album "Amen & Goodbye".



Immerhin vier Jahre sind seit dem letzten Yeasayer-Album, "Fragrant World", durch die Lande gezogen. Doch bei dieser Ausnahmeband mit dem ausnehmend dämlichen Namen wartet man gerne einmal länger.

Auf gewisse Weise mutet "Amen & Goodbye" nun an, als habe die Band ihre bisherige Arbeit frisch überholt und an einigen Stellen mit eigenartigen Fremdkörpern bereichert. Das ruft bisweilen eine ähnliche Irritation hervor wie die surrealen Skulpturen des von Yeasayer verehrten Bildhauers David Altmejd, die auf dem Cover der Platte und in aktuellen Videos zu sehen sind.

So sind etwa die Chorgesänge, die vor allem im ersten Drittel des Albums eine einigermaßen dominante Rolle einnehmen und wahlweise Assoziationen zu Todd Rundgrens Prog-Rock-Formation Utopia, Alt-J, alten Platten der Steve Miller Band oder im Falle des Openers "Daughters Of Caine" sogar zum psychedelischen Obskur-Klassiker "Parachute" von den Pretty Things aufrufen, gewöhnungsbedürftig.

Über größere Strecken aber klingt "Goodbye & Amen" wie eine gelungene Synthese der beiden ersten, recht unterschiedlichen Yeasayer-Platten, indem die fernöstlichen Folk-Einflüsse von "All Hour Cymbals" (2007) mit einer verdichteten Spielart des Synthie-Pop von "Odd Blood" (2010) vermengt werden. Die mächtige Polyrhythmik, die Auf- und Umschichtungen von Sounds und Samples verraten wiederum die Handschrift des Vorgängerwerks.

In drei Stücken setzt Suzzy Roche, ehemaliges Mitglied der verschwisterten Frauenband The Roches, einen wunderbar kalmierenden stimmlichen Kontrapunkt. "Uma", einer der schönsten Songs des Albums, hätte wiederum mit einem Klangerzeuger, der sich wie eine singende Säge anhört, glatt auf Mercury Revs "Deserter’s Songs" gepasst.

Zum Verständnis der unheilvoll-gleichnishaften Texte wäre Bibelfestigkeit nicht von Nachteil; durch das kräftige "I Am Chemistry" weht giftiger Laborgeruch und "Cold Night" versucht, mit dem Tod einer nahestehenden Person klarzukommen. Der Versuch muss naturgemäß ein solcher bleiben.

Information

Yeasayer

Amen & Goodbye

(Mute/GoodToGo)





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2016-04-01 16:23:04
Letzte Änderung am 2016-04-01 16:40:10




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