• vom 26.04.2016, 16:50 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 27.04.2016, 14:44 Uhr

Pop

Ruhe, der Captain rezitiert!




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Von Christina Böck

  • Pop-Barocker Rufus Wainwright begeht Shakespeare-Jubiläum unter anderem mit William Shatner.

Rufus Wainwright im Barden-Kostüm am Cover der neuen CD. - © DG

Rufus Wainwright im Barden-Kostüm am Cover der neuen CD. © DG

"Ist es zu spät, sich zu entschuldigen? Sorry. Yeah. Sorry." Es ist jetzt keine große Kunst, sich diese Zeilen zu merken. Insofern stellt jene Studie, die vorige Woche in Großbritannien betrauerte, dass die jungen Leute heutzutage die Lyrik von Justin Bieber besser kennt als die von William Shakespeare, nicht gerade die Welt auf den Kopf. Aber offenbar ist es den Unterhaltungskulturschaffenden ein Anliegen, auch die Jugend wieder ein bisschen näher an den Barden, dessen 400. Todestag eben begangen wurde, heranzuführen. Ein US-TV-Sender arbeitet zum Beispiel an einer neuen Serie, die aus bekannten Shakespeare-Dramen Horrorfilme macht. Die erste Folge wird "A Midsummer‘s Nightmare" heißen. Ist eine Möglichkeit. Eine andere Möglichkeit ist, so etwas zu machen wie Rufus Wainwright. Der hat nun das Album "Take all my loves" veröffentlicht, auf dem er neun Sonette von William Shakespeare vertont hat. Obwohl, ganz so stimmt das nicht. Manche werden einfach von Rezitiergrößen vorgetragen. Weil sich hippe Stars geziert haben (Leonardo DiCaprio habe es nicht einmal der Mühe Wert gefunden, zu antworten, so die angerührte Diva Wainwright), können hier die wahren Helden reüssieren. Carrie Fisher (Prinzessin Leia) zum Beispiel. Das unbestrittene Highlight dieser Tracks ist freilich Sonett Nr. 129, das auf dieser CD von William Shatner gesprochen wird. Der Mann, der ein Raumschiff kommandiert hat (es hieß "Enterprise") und der bereits Erfahrung im Aufnehmen von Rezitationsalben hat (unerreicht seine elegisch deklamierte Version von Elton Johns "Rocket Man") pflügt sich charakteristisch hochtrabend durch das Sonett, das die Lust an der Vorbereitung auf die Lust beschreibt. Unterlegt wird das mit Hallgeräuschen, die den Captain wieder einmal im schwerelosen Weltraum vermuten lässt. Gleich anschließend an diesen Vortrag hat Wainwright seine Vertonung gestellt, die wird von Sopranistin Anna Prohaska gesungen und klingt, als hätte sich Andrew Lloyd Webber ein paar bunte Tabletten zu viel reingepfiffen.

Österreichische Partnerin

Rufus Wainwright liebt die in Musik übersetzte große Geste. Und er liebt den vereinenden Grenzgang zwischen Pop und klassischer Musik. Schon vor sieben Jahren hat Wainwright für den Avantgarde-Regisseur Robert Wilson einige Shakespeare-Sonette vertont. Auch auf seinem Album "All days are nights: Songs for Lulu" von 2010 waren drei Sonette zu hören, die Wainwright nun wieder verwertet hat.

Die Österreicherin Anna Prohaska, die auch ein Faible für ausgefallene Konzeptalben hat, ist Wainwright eine elegante Partnerin bei seinen manchmal opernhaft-barock, manchmal leger-dramatisch angelegten Liedern. Gemeinsam gestalten sie einen Soundtrack für nachdenkliche Drama-Queens. Musikalischer Höhepunkt des Albums ist jedoch das leichtfüßige Duett mit Florence Welch, das ein Wainwright-Stück bester Güte ist: Diese Gratwanderung zwischen pop-fröhlich und poetisch-traurig, die so vorzüglich zu Shakespeare passt, die kann zum Beispiel ein Justin Bieber eher nicht.

Information

Rufus Wainwright: "Take all my loves" (Deutsche Grammophon)



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Dokument erstellt am 2016-04-26 16:53:05
Letzte Änderung am 2016-04-27 14:44:56



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