• vom 08.06.2016, 16:59 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 09.06.2016, 13:29 Uhr

neues Album

Über Äonen: Wrestlen mit Dämonen




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Von Andreas Rauschal

  • Garbage veröffentlichen ein neues Album und stellen es am Freitag am "Nova Rock"-Festival vor.

Shirley Manson und ihre Band Garbage sind zurück. Heute gesteht man sich auch Verletzlichkeit ein. - © Joseph Cultice

Shirley Manson und ihre Band Garbage sind zurück. Heute gesteht man sich auch Verletzlichkeit ein. © Joseph Cultice

Schon die Auftaktsingle "Empty" versetzte uns wie mit der Zeitmaschine in die 90er Jahre zurück. Damals liefen Garbage relativ verlässlich, wenn man von der Schule nachhause kam und noch nicht vom Internet, sondern von MTV oder dem Effemmvier wissen wollte, was es denn Neues gibt. Das Neue konnte man sich, wenn es gefiel, im Geschäft für im Regelfall bis zu 269 Schilling von seinem sauer von den Eltern abgeschnorrten Taschengeld kaufen. Auf CD! Ganz andere Zeiten waren das. Mein Gott, die meisten von uns hatten ja noch nicht einmal ein Handy.

Teenage Angst
Die Präsidenten der Zeit hießen Bill Clinton und Doktorthomas Klestil. Man erfuhr davon aus auf Holz gedruckten Artikeln, unter denen fünf Minuten nach Veröffentlichung noch nicht 789 Leserbriefe zu finden waren. Kritische Fragen stellten im ORF Robert Hochner oder Elmo, der Bär. 9/11 war höchstens eine seltsame Zahlenkombination mit Schrägstrich und auf Sparbüchern gab es Zinsen, die - man muss das heute erklären - den Zweck hatten, Geld zu vermehren. Gasthäuser am Land wiederum waren plötzlich mit diesen Vegetierenden oder wie sie heißen konfrontiert und nur im Notfall bereit, ihnen einen Beilagensalat mit Ei anzubieten. Rückblickend jedenfalls, so schlecht ist es uns auch nicht gegangen.


Trotzdem trug Shirley Manson als Sängerin der auf MTV angesagten Band Garbage permanent diesen Gesichtsausdruck, den man heute als Resting Bitch Face bezeichnen würde. Oder sie nahm jugendlich-angewidert überhaupt schon die schwarz-blaue Angelobungsmiene von Doktorthomas Klestil vorweg. Shirley Manson war aufregend sauer und vor Wut reizend rasend. So hätte man das halt damals formuliert und damit die ihr zugeschriebene feministische Rolle als Frontfrau ungewollt unterlaufen. Spannend in spannenden Zeiten zwischen Aufbruch und Teenage Angst war jedenfalls, dass die Frau allfällige Spießer im Umkreis von 100 Kilometern mit Verachtung zu bestrafen und das Hadern unter grauen Wolken einem Leben mit sich selbst im Reinen zu bevorzugen schien. Vorarbeit dafür leisteten Leute wie Martin Gore mit Depeche Mode ("Pain and suffering in various tempos") oder Trent Reznor mit den Nine Inch Nails (Hurt! Pain! Hurt!). Ein Hit von Garbage hieß übrigens "Only Happy When It Rains". Er kam nicht von ungefähr. Jugendlich-angewidert wollte man ihn unterschreiben.

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Dokument erstellt am 2016-06-08 17:02:05
Letzte Änderung am 2016-06-09 13:29:06




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