• vom 09.07.2016, 14:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Pop-CD

Therapeutische Melancholie




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Von Heimo Mürzl

  • Bat For Lashes und ihr neues (Konzept-)Album "The Bride".



Wie heißt es so schön? Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. In diesem Sinne könnte man hier einfach das Cover des neuen Albums von Bat For Lashes abbilden und den Leser auffordern, sich die meditativen Sirenengesänge von Natasha Khan alias Bat For Lashes anzuhören. Auf dem Cover trägt die Künstlerin ein schönes Vintage-Brautkleid und zieht den Betrachter mit geheimnisvoll-verzweifeltem Blick in den Bann.

Information

Bat For Lashes

The Bride

(Warner Music)

Ein Schicksalsschlag ist Ausgangspunkt für ein Konzeptalbum, das zu einer kontemplativ-düsteren musikalischen Medita- tion über Liebe, Verlust, Trauer, Sehnsucht und Hoffnung wird. "The Bride" erzählt die Geschichte einer Braut, die vor dem Altar auf ihren Bräutigam wartet, der jedoch unterwegs zur Kirche bei einem Unfall getötet wird. Die Braut flieht daraufhin und begibt sich auf einen verstörend-irrlichternden Roadtrip, der zugleich das Leitthema ist.

Damit ist auch der Grundton des Albums benannt - eine Art therapeutische Melancholie. Der britischen Ausnahmekünstlerin gelingt mit ihrem vierten Studiostreich ein Balanceakt zwischen Gefühlsschwere, emotionalen Ausbrüchen, gehobener Balladenkunst und schaurigen Klageliedern.

Auch wenn ihr Kitsch, Pathos und Exzentrik nicht fremd sind, ist "The Bride" Khans stimmungsvollstes Werk bisher und überzeugt mit jener Form von Erhabenheit, die aus der Bereitschaft entsteht, alles zu riskieren. So oszilliert das Werk atmosphärisch zwischen Traum und Albtraum und lässt einen musikalischen Mikrokosmos entstehen, der verschwommen-getragene Gitarrenklänge, unheilvolle Drones, schleppende Beats, flirrende Keyboards und engelsgleiche Chöre miteinander verbindet - und von einer Stimme ergänzt wird, die ihrer Verzweiflung und Sehnsucht zwischen Hauchen, Flüstern und Schmachten Ausdruck verleiht.

"The Bride" überzeugt mit seiner thematischen Geschlossenheit und kleidet die menschliche Tragödie in Dark-Pop-Klänge, scheut weder vor ergreifenden Balladen noch vor expressiver Klage zurück und sorgt mit "I Will Love Again" auch noch für aufhellende Augenblicke.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-07-08 13:59:05
Letzte Änderung am 2016-07-08 15:02:24



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