• vom 24.07.2016, 10:30 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Pop-CD

Jugendsorgen von gestern




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Von Gerald Schmickl

  • Disparater Nostalgie-Pop: Metronomy und ihr "Summer 08".



Seit ihrem Debüt vor genau zehn Jahren (2006 mit "Pip Paine") sorgt diese Band bzw. dieses Projekt ihres Begründers und Betreibers, Joseph Mount, für gespaltene Reaktionen. Die einen halten die Hervorbringungen von Metronomy für kreativen Synthie-Pop, andere lästern über immergleichen "Casio-Pop". Dabei kann der Riss auch durch ein-und-denselben Hörer gehen, der manche Songs dieses nunmehrigen Ein-Mann-Unternehmens für große Momente hält, andere hingegen für nervende Autodrom- oder Scooter-Musik.

Information

Metronomy

Summer 08

(Because/Warner)

Das neue, ingesamt fünfte Album, "Summer 08", gibt einige Beispiele für derart unterschiedliche Urteile. Es geht, wie der Titel schon verrät, zurück ins Jahr 2008, als Metronomy ihr zweites Album, "Nights Out", herausbrachten, mit dem der große Erfolg begann. Und seitdem er, wie Joseph Mount klagt, vor lauter Touren und Aufnehmen nicht mehr zum Durchschnaufen gekommen sei.

Daher blickt er, der diesmal - bis auf ein paar Hammondorgel-passagen - alle Tracks selbst eingespielt hat, nostalgisch und auch ein wenig melancholisch zurück in diese Sommertage. Obwohl mittlerweile mit Familie in Paris lebend (wo auch das Album großteils entstanden ist), beschäftigen den Engländer auf dieser Zeitreise vorwiegend Jugendsorgen und -themen: erstes Beziehungschaos, Partytime, Clubbing. Über manches macht er sich auch lustig (wie über superreiche junge Londoner Schnösel in "Old School").

Ansonst liefert Mount einen mehr oder weniger adäquaten Elektropop-Soundtrack für derlei juvenile Seinsvergessenheit. Es blubbert und quietscht, der Bass windet sich gallertig pumpend, und darüber tönt Mounts Falsettstimme, die in ihrer nasalen Arroganz akustisch besser zum Schnöseltum passt als zu dessen Kritiker. In "Night Owl", dem stimmungsvollsten und besten Song des Albums, findet alles ansonst Disparate zu einem nahezu perfekten Ganzen zusammen. Einer dieser (halb-)großen Momente, ebenso wie "My House", beide mit stark französischem Einschlag (Phoenix, Air). Das Duett mit der schwedischen Sängerin Robyn ("Hang Me Out To Dry") hingegen wäre als mittelmäßiger Disco-Pop weder 2008 noch in den 80er Jahren besonders aufgefallen. Und 2016 wird er’s auch nicht schaffen.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-07-22 15:35:05
Letzte Änderung am 2016-07-22 15:54:35



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