• vom 20.08.2016, 15:30 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Pop-CD

Männer zwischen Lust und Leid




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Von Heimo Mürzl

  • "Boy King", das fünfte Studioalbum der Wild Beasts.



Das schrill-bunte Cover-Artwork des fünften Albums der Wild
Beasts deutet schon in die Richtung, die das Quartett aus Kendal (GB) auf "Boy King" musikalisch einschlägt. Fast alles hier ist Zuspitzung, Spektakel und Dynamik - und der "Boy King" als Sinnbild für den modernen Mann im Widerstreit zwischen Lust und Leid das zentrale Thema.

Information

Wild Beasts

Boy King

(Domino/Goodtogo)

Wann ist ein Mann ein Mann? An dieser Frage kann man sich so abarbeiten wie Herbert Grönemeyer - oder mit Verspieltheit und Experimentierfreude, wie es die Wild Beasts tun. "Boy King" gleicht einer musikalischen Wundertüte, voll großer Gesten und ausgeklügelter Details. Funk-Groove trifft auf verzerrte Gitarren, (White) Soul auf pulsierenden Elektro-Pop und Falsettgesang auf Baritonstimme.

Mit viel Verve und Esprit schmeckt die Band ihr Pop/Rock-Amalgam wieder einmal neu ab und präsentiert einen schmissigen Mix aus eingängigen Re-frains, ein wenig Math-Rhythmik und Synthesizern. Beliebigkeit konnte man den vier Musikern noch nie vorwerfen, und Produzent John Congleton (St.Vincent, David Byrne, Modest Mouse) sorgt mit extravaganten Arrangements dafür, dass das auch so bleibt.

Elektronische Klänge und Gitarren gehen eine befriedigende Liaison ein; die so unterschiedlichen Stimmen von Hayden Thorpe (Falsett) und Tom Fleming (Bariton) ergänzen sich prächtig, und das Spiel mit Rock-Konventionen gelingt so gut wie schon lange nicht. "Boy King" überzeugt als musikalische Reflexion über den modernen Mann, seine Rolle in der Gegenwart und seine Selbstzweifel. Der verführerisch-laszive Eröffnungssong "Big Cat" transportiert noch althergebrachte Klischees, wie auch "Get My Bang" mit Zeilen wie "No getting it right / no getting it wrong / just getting it on" noch ein wenig die Subtilität vermissen lässt.

"Eat Your Heart Out Adonis", "Tough Guy", "He The Colossus" und "Alpha Female" dekonstruieren die tradierten Männlichkeitsbilder dann aber ebenso lustvoll wie gekonnt, ehe mit "Dreamliner" eine getragene Klavierballade dieses sonst so energiegeladene Album beschließt.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-08-18 17:38:05
Letzte Änderung am 2016-08-18 17:41:58



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