• vom 28.08.2016, 12:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Pop-CD

Haltung und Form




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Von Heimo Mürzl

  • Die deutsche Band Messer überrascht mit ihrem dritten Album.



Neues Label, neue Besetzung und neue musikalische Ausrichtung - vieles ist neu beim dritten Studioalbum von Messer. Die Band aus Münster wechselte nach zwei Veröffentlichungen beim Label This Charming Man zu Trocadero, ist trotz des Abgangs des Gitarristen Pascal Schaumburg zu einem Quintett angewachsen und überrascht mit einem Sound, der detailreicher geworden ist. Die Musik der 2010 gegründeten Band rund um Sänger und Songschreiber Hendrik Otremba stand nie für einfache Konsumierbarkeit. Mit ihrer Mischung aus schepperndem Garagenrock und sehr viel Punk-Attitüde versuchte sie immer auch Haltung und Form in Einklang zu bringen.

Information

Messer

Jalousie

(Trocadero/Indigo)

Live am 6.11. im Wiener B72.

So richtig los ging es 2012 mit dem Debüt "Im Schwindel", dem Messer 2013 "Die Unsichtbaren" folgen ließen. Kritik und Hörerschaft fanden zunehmend Gefallen an dem düster-minimalistischen Post-Punk-Entwurf, der subversives Denken, stoisches Beharren und einen Hauch Nihilismus unter einen Hut brachte und den Befund der seelischen Disposition in Zeiten des Spätkapitalismus in ein entsprechend schroffes Soundkleid hüllte.

Nach drei Jahren Veröffentlichungspause, die Messer mit musikalischen Performances über Boris Vian und Romy Schneider überbrückten und so eine gewisse Theater-Affinität demonstrierten, liegt nun das dritte Album vor. "Jalousie" überrascht mit einem virtuoseren Klangbild - die Arrangements sind ausgetüftelter, die Instrumentierung bietet mehr Klangraum für Bläser, Synthesizer und eine melancholisch schmirgelnde Orgel.

Erhalten geblieben ist der typische Messer-Drive und die markante Stimme von Hendrik Otremba, der denkwürdige Sätze ins Mikrofon krächzt, schreit und flüstert. Rätselhaft-vertrackte Verse werden von ebenso einfachen wie klaren Botschaften abgelöst und beweisen, dass sowohl Poesie als auch Agitation in Songtexten Platz finden können. Der Versuch, das Wechselspiel aus Reflexion und Subversion in stimmige musikalische Formen zu gießen, gelingt nicht immer, wirft aber einige sehr gelungene Songs ab.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-08-25 17:56:15
Letzte Änderung am 2016-08-25 18:36:12



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