• vom 28.09.2016, 17:06 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 29.09.2016, 16:50 Uhr

neues Album

Nudelsieb statt Aluhut




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Von Andreas Rauschal

  • Yello veröffentlichen ihr neues Album "Toy" und präsentieren es sensationellerweise auch live.

Intergalaktische Musiksignale: Dieter Meier und Boris Blank alias Yello.

Intergalaktische Musiksignale: Dieter Meier und Boris Blank alias Yello.© Helen Sobiralski Intergalaktische Musiksignale: Dieter Meier und Boris Blank alias Yello.© Helen Sobiralski

Auf dem Cover sieht man die zwei Protagonisten samt Nudelsieb und Topf als Kopfbekleidung mit angeschraubter Antenne. Sorgen muss man sich um Dieter Meier und Boris Blank alias Yello dann aber eh nicht machen. Der auch nach 38 Jahren im Dienst bis heute zentralste Pop-Exportartikel der Schweiz, der in Sachen nationale Imagepflege nur knapp hinter der Heidi aus den schönen Bergen, Zeitmessern vom Gegenwert eines City-Apartments in London oder Löchern im Käse liegen dürfte, zieht hier nicht mit dem Aluhut gegen Chemtrails in die Schlacht.

Ganz im Gegenteil geht es einer Durchsage Dieter Meiers aus Promotionsgründen zufolge darum, beim Hineinhören in den Orbit intergalaktische Musiksignale zu empfangen. Man wolle schließlich auch und gerade heute im Jahr 2016 wieder "to the future through the past".


Dieter Meier kommt mit 71 Jahren zwar langsam wirklich in ein Alter, das sein Look (Steck- und Halstuch plus Anzug, Zigarre und Schnauzbart) bereits vorwegnahm, als er noch jung war. Wie das Nudelsieb erklärt aber auch der Albumtitel "Toy" (Universal Music) selbst, dass Yello nach wie vor im Infantilen, Verspielten, närrisch Vergnügten und Dadaistischen eine bevorzugte Inspirationsquelle finden: Kunst als Spielzeug. Damit wird recht überzeugend auch ein Weg für uns vorgegangen. Im Zweifelsfall ist es doch sehr viel besser, als Klassiker in der Einserpanier offen und freigeistig zu bleiben, als optisch am Puls der Zeit erst recht zu verspießern.

Gewohnt minimalistisch
"Toy" mag mit 14 Stücken in 51 Spielminuten einmal mehr beweisen, dass Yello heute nichts mehr erfinden müssen - sie haben das bereits in ihrem Frühwerk getan (und das oft genug trotzdem als Missverständnis und Zufall heruntergespielt). Man freut sich auch so, alten und bis heute kollektiv abgespeicherten Hits wie "Oh Yeah" etwa dann wieder zu begegnen, wenn bei den
"Simpsons" der Duffman um die Ecke biegt oder "The Race" als Soundteppich im TV-Beitrag erklärt, dass Motorsportmagazine vielleicht doch einen Sinn haben könnten. Auf die neuen, von Dieter Meier gewohnt minimalistisch mit tiefer Stimme besprochenen Stücke dürfte ein wenig aber auch sein vor zwei Jahren veröffentlichtes spätes Solodebüt nachgewirkt haben. Während auf "Out Of Chaos" bei ein paar Martinis zu viel frei vom Barhocker weg über das Leben sinniert wurde, adressiert auch "Toy" mit Songs wie "30’000 Days" zumindest zwischendurch die Zeit und den Umstand, dass diese von Jahr zu Jahr immer schneller vergeht.

Daneben sorgt Blank als Musikarbeiter im Studio mit seinem Synthesizer-Fuhrpark für die gewohnte Dosis Retrofuturismus und ein Setting, das mitunter mehr Pop zulässt ("Starlight Scene"), zumindest aber im Fall der Ambient-Studie "Magma" aber auch auf das Experiment nicht gänzlich verzichtet. Und im sinnlichen Mann-Frau-Dialog über Liebe als Kraft, mit der man vieles schafft, wird Dieter Meier dann doch noch einmal so jung, wie er es wahrscheinlich schon früher nicht war.

Konzerte als Testballon
Dass Yello auch heute noch Ambitionen haben, beweist nicht zuletzt ihr Entschluss, nach beinahe vier vollen Jahrzehnten im Geschäft nun erstmals eine kleine Reihe an Live-Konzerten zu absolvieren, die als Testballon eine Möglichkeit auf Verlängerung durchaus nicht ausschließen sollte. Die vier Termine Ende Oktober im Berliner Kraftwerk jedenfalls sind restlos ausverkauft. Selbstverständlich! Wir haben es bei Yello bitte schön mit einer lebenden Legende zu tun.




Schlagwörter

neues Album, Yello

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Dokument erstellt am 2016-09-28 17:11:05
Letzte Änderung am 2016-09-29 16:50:10




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