• vom 10.12.2016, 10:40 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 10.12.2016, 10:51 Uhr

Pop-CD

Ein Maßstab für Konzerte




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Von Uwe Schütte

  • John Cales Live-Dokument "Fragments Of A Rainy Season" wird neu aufgelegt.

Solokonzerte von Rockmusikern sind immer eine Nagelprobe für die Qualität ihrer Songs. Diese klingen nämlich ohne volle Bandorchestrierung oft etwas armselig. Auch wird, wenn nur eine Person allein auf der Bühne steht, deren Performer-Qualität zum entscheidenden Kriterium. Der Maßstab, an dem diese beiden Kategorien zu messen sind, bleiben unverändert die Konzerte, die John Cale während der 1990er Jahre gegeben hat: Gitarre und Piano, Cales Stimme und seine explosive Bühnenenergie - das reichte und war mehr als jeder andere Solomusiker bieten konnte.

Seine Tourneen allein mit Gitarre und Piano dokumentierte er 1992 mit der, nun ja, ultimativen Liveplatte "Fragments Of A Rainy Season": 20 Stücke, bei verschiedenen Konzerten aufgenommen, 71 Minuten Spielzeit. Mehr passte auf eine einfache CD nicht drauf. Leider. Doch das war angesichts der Qualität des Gebotenen schon genug: eine herzzerreißend schöne Version von "Chinese Envoy", das gespenstische "Heartbreak Hotel", der hysterische Ausraster am Ende von "Fear (Is A Man’s Best Friend)" oder der anrührende musikalische Abschied vom Vater, den Cale in Form der Dylan-Thomas-Vertonungen "Lie Still, Sleep Becalmed" und "Do Not Go Gentle Into That Good Night" nimmt, machen sprachlos. Auch nicht zu vergessen: das Cover von Leonard Cohens Hymne "Hallelujah", das sich Cale durch verschiedene Änderungen ganz zu eigen macht.


Rechtzeitig zu Weihnachten - und ein Schelm, wer dies dem nunmehr 74 Jahre alten Musiker übelnimmt - gibt es nun eine Neuedition, die man sich auch kaufen sollte, selbst wenn man das Original besitzt: Nicht nur kommen die Stücke in einer anderen Reihenfolge daher, was die Dramaturgie der Platte verändert, es gibt zudem eine Bonus-CD mit acht unveröffentlichten Outtakes, und somit 31 Minuten mehr Cale solo live.

Auf "Amsterdam" und "Broken Hearts" kann man zwar verzichten, doch allein schon die vier Songs mit Streicherbegleitung, insbesondere die wilde Version von "Fear" und das unheimliche "Antarctica Starts Here" lohnen die Anschaffung.

John Cale

Fragments Of A Rainy Season

(Domino)




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-12-09 14:11:02
Letzte Änderung am 2016-12-10 10:51:31



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