• vom 26.03.2017, 16:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Pop-CD

Mantras gegen Vergänglichkeit




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Von Andreas Walker

  • Mutter aus Berlin und ihr neues Album, "Der Traum vom Anderssein".



Mittlerweile haben geriatrische Themen auch die Rockmusik eingeholt. "Menschen werden alt und dann sterben sie", konstatieren Mutter auf ihrem neuen Album und verpacken diese lakonische Feststellung in eine delirierende Akustikwabe. Die Vergänglichkeit nagt auch am "Traum vom Anderssein": "Die Zeit wird langsam knapp. Die Angst, die dir im Nacken sitzt. Bedrohlich und sehr real." Gegen diese Angst wird mit einer mantraartigen Wiederholung der Titelzeile angesungen. Im Hinblick auf einen zukünftigen letzten Lebensabschnitt heißt es in "Glorie": "Was soll denn jetzt noch passieren? Gesehen hat man alles" - was natürlich nicht stimmt.

Information

Mutter

Der Traum vom Anderssein

(Die eigene Gesellschaft / Hanseplatte)

Mit inzwischen wieder erfreulicher Regelmäßigkeit und seit 2014 in konstanter Besetzung erscheint nun alle drei Jahre ein Album der Berliner Band. Im Vergleich zum Vorgänger, "Text und Musik", ist der Ton rauer und dissonanter geworden. Gleichzeitig entwickelt das neue Album einen hypnotischen Sog, etwa wenn in "Geh" die verzerrte Stimme Max Müllers von rhythmischem Klatschen unterfüttert wird. Auch das fast zehnminütige "Kravmann" lädt trotz des schroffen Gitarrenspiels zum Mittanzen ein. Um die Möglichkeiten des Andersseins auszuloten, werden Klangschichten gegeneinander versetzt und ineinander verschachtelt, wird Müllers Gesang verdoppelt und übereinander gelagert, grätscht die Gitarre in den Fluss der Musik, als wollte sie sie zusammenstauen und verdichten.

Zeitgemäß werden Themen der Distanz und der Entfremdung bespielt. "Wenn ich nur ein einziges Mal sehen könnt, was andere sehen und mir verschlossen bleibt", singt Müller ("Kravmann"), ein anderes Lied heißt gleich "Fremd". Der Protest gegen den Stillstand wird zuweilen zornig deklamiert, was durch das hermetische musikalische Gewebe noch unterstrichen wird. Wenn Müller nebenbei bemerkt, "Das große Rätsel der Menschheit ist: Warum es sie noch gibt", scheint dennoch nicht alles hoffnungslos. Ein erster Schritt, einer ökosophischen Veränderung Raum zu geben, wäre es, den Traum vom Anderssein im Hier und Jetzt mitzuträumen.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-03-23 17:35:17
Letzte Änderung am 2017-03-23 18:09:46



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