• vom 28.03.2017, 16:26 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 29.03.2017, 16:54 Uhr

neues Album

Roboten und Disco-Tanzen




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Von Andreas Rauschal

  • Jamiroquai knüpfen auf ihrem ersten Album seit sieben Jahren an bewährte Kernthemen an.

Humanoider Heimwerkerkönig: Jay Kay von Jamiroquai. Live am 15. November in der Wiener Stadthalle. - © Universal Music

Humanoider Heimwerkerkönig: Jay Kay von Jamiroquai. Live am 15. November in der Wiener Stadthalle. © Universal Music

Zuletzt war die Zeit für funky eher schlecht. Großmeister Prince starb erheblich zu früh und zu jung. Globale Krisenherde arbeiteten der für das Genre lebensnotwendigen Einstellung entgegen, locker, gut gelaunt, also 24/7 in Superfunkypartytime-Stimmung zu sein, wie nur die Jungspunde von Bilderbuch das heute noch können. So viel Schwere! So viele Problemstellungen! Und apropos: Auch das mit funky wesensverwandte Wort sexy hat aktuell einen schweren Stand - vor allem, wenn es in Verbindung mit Babys auftritt, die auf dem Dancefloor hot sein und dabei etwas shaken sollen. Statt Applaus in stickig-heißen, verschmitzt-schwitzigen Mehrzweckhallen gibt es dafür verbale Eierwatschn in Form eines Shitstorms auf Twitter. Männer, die sich öffentlich nach Hotness und der mit ihr verbundenen Stoffarmut sehnen, sollten sich also besser warm anziehen. Sie könnten die digitale 2.0-Welt womöglich als kalt empfinden oder dort zumindest einen rauen Wind kennenlernen.

Digitalisierungskritisch
Die britische Band Jamiroquai hat bezüglich ihrer Lebenslust und des großen, großen Ausschweifungshungers dann noch ein zusätzliches Image-Problem. Ihr in Mehrzweckhallen und auch bei Frauen trotz sexy und funky noch heute überraschend beliebter Sänger Jay Kay ist als Benzinbruder bekannt, dessen Oldtimer-Fuhrpark vor dem noblen Elf-Schlafzimmer-Anwesen in Buckinghamshire vielleicht die Ölscheichs im Oman jubilieren lässt, ganz sicher aber nicht die Fahrradl-und-Jutesack-GrünInnen von Mitteleuropa. Wenn Jamiroquai nicht gerade nach Malaysia oder Russland flüchten, um dort beim Formel-1-Grand-Prix oder auf einer Audi-A4-Präsentationsparty Gas zu geben, kann es also schon einmal sein, dass sie gleich eine Boeing 757 chartern, um hoch über der Erde nichts weniger zu tun, als vor 200 geladenen Fans Exklusiv-Konzerte zu spielen - und nebenbei das Ozonloch zu vergrößern. Aber eh nur ein klitzekleines Bisschen, bevor die am Himmel verbreitete gute Laune am Ende auch den Klimagott besänftigen wird.


Vor diesem Hintergrund jedenfalls erinnert man sich nicht nur daran, dass Jamiroquai einst 1993 mit dem Album "Emergency On Planet Earth" und Songs wie "When You Gonna Learn (Digeridoo)" auf der Welle des Acid Jazz durchaus besorgt um den Heimatplaneten erstvorstellig wurden. Nicht zuletzt der, nun ja, digitalisierungskritische Welthit "Virtual Insanity" lieferte drei Jahre danach auch die Blaupause für etwas, zu dem die Band heute wieder zurückkehrt. Immerhin kündet "Automaton" als Auftaktsingle aus dem nun nach siebenjähriger Veröffentlichungspause erscheinenden gleichnamigen Album (Virgin/Universal Music) davon, dass wir in der 2.0-Welt alle Zombies sind, die innerlich leer auf Bildschirme starren.

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neues Album, Jamiroquai

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-03-28 16:30:18
Letzte ─nderung am 2017-03-29 16:54:08




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