• vom 03.06.2017, 14:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Pop-CD

Trauerflor statt Feierlaune




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Von Andreas Rauschal

  • Singer-Songwriterin Aldous Harding und ihr zweites Album "Party".



Dass es sich beim Albumtitel um eine Art Scherz handeln dürfte, liegt seit dem (namenlosen) Debüt von vor drei Jahren ziemlich nahe. Damals eröffnete Aldous Harding nicht von ungefähr mit den Zeilen "I will never marry my love / I will die waiting for the bells / Death, come pull me underwater / I have nothing left to fear from hell." Die neuseeländische Singer-Songwriterin bezeichnet ihre Kunst schließlich als "Gothic Folk" und trägt diesen auch mit nobler Blässe und roten Lippen nach außen. Ach ja, das neue Album heißt "Party" und ist als Beschallung für eine solche definitiv ungeeignet, wenn man darunter eine Versammlung versteht, bei der sich Menschen mit oder ohne Zuhilfenahme von Stimmungsaufhellern zumindest bemühen, eine gute Zeit miteinander zu haben.

So grundsätzlich still, wenig nachdrücklich und versunken die neuen Songs daherkommen mögen, so schauspielerisch-theatralisch erlebte man die Musikerin erst dieser Tage im britischen Musikfernsehen in der geschätzten Sendung "Later... With Jools Holland." Dort sorgte sie, begleitet von ihrem Produzenten John Parish, den man auch an der Seite einer anderen Schmerzensfrau, nämlich PJ Harvey, kennen könnte, mit einem inneren Exorzismus namens "Horizon" für Aufsehen und etwas Irritation, weil der Text hier doch recht eindringlich zwischen abgrundtiefer Liebe und Besessenheit ankert: "My mouth is wet / don’t you forget it / Don’t you lose me! / Here is your princess / Here is the horizon."

Information

Aldous Harding

Party

(4AD/Indigo)

Meistens sind diese dem akustischen Trauerflor verschriebenen Songs auch in ihrer Umsetzung zwischen Zupfgitarre oder Hallklavier plus Gesang spartanisch gehalten. Dabei wird die Angelegenheit dort deutlich spannender, wo Harding dezente Twang-Gitarren eingemeindet, der Sperrstunde zu verschlepptem Schlagzeug entgegentorkelt oder Saxofone ungefähr so aus dem letzten Loch pfeifen lässt, wie ihre Stimme selbst bisweilen nach akuter Erschöpfung klingt. "I warned him of the journey I’d planned / The doom I felt / and the death I smelt."





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-06-01 18:21:10
Letzte Änderung am 2017-06-02 14:30:24



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