• vom 17.06.2017, 10:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 17.06.2017, 10:21 Uhr

Pop

Tanzmusik auf Bestellung 4.0




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Von Reinhard Göweil

  • Eine dringliche Empfehlung der Schlager-Rebellen Fuzzman & The Singin’ Rebels.

Liebe, die vergeht. Liebe, die entsteht . . . - Fuzzman & The Singin’ Rebels zelebrieren hemmungslos Klischees, die sich selbst entlarven.

Liebe, die vergeht. Liebe, die entsteht . . . - Fuzzman & The Singin’ Rebels zelebrieren hemmungslos Klischees, die sich selbst entlarven. Liebe, die vergeht. Liebe, die entsteht . . . - Fuzzman & The Singin’ Rebels zelebrieren hemmungslos Klischees, die sich selbst entlarven.

Früher, also in den 1960er und 1970er Jahren, gab es im Radio (damals ausschließlich ORF) die Sendung "Tanzmusik auf Bestellung". Was den ziemlich vielseitigen Musiker Herwig Zamernik (von der Kärntner Band Naked Lunch) bewog, 2014 als Fuzzman & The Singin’ Rebels ein "Schlageralbum" aufzunehmen, erscheint jedenfalls als - sagen wir vornehm - kritische Würdigung der seinerzeitigen Inhalte von "Tanzmusik auf Bestellung".

Fuzzman, also Zamernik, war vier Jahre alt, als die Schmetterlinge 1977 beim Eurovisions Song Contest mit "Boom Boom Boomerang" eine vergleichbare Verarsche der Schlagerbranche abgeliefert haben. Von "Dr. Feelbetter" (unterstützt durch einen abgefeimten Video-Clip - siehe Youtube) bis zu "Selbsthilfegruppe Nagelpilz" werden zehn Lieder abgeliefert, die böse Texte mit Schlager-Melodeien (sic!) vereinen. Mein persönlicher Favorit auf dieser Fuzzman-Platte ist "Totenglocken klingen anders". Caterina Valente und Che Guevara würden dazu gemeinsam tanzen.

Liebe, die vergeht. Liebe, die entsteht - die unverzichtbaren Zutaten jedes Schlagers werden ohne jede Hemmung ausgewalzt, die Akkorde folgen hemmungslos. Klischees, die so ohne Genierer ausgelebt werden, entlarven sich selbst. Herr Zamernik, seine gesamte Familie - inklusive rebellischem Kinderchor - sowie die Musiker Richard Klammer, Stefan Gfrerrer und Jozej Stikar haben mit dieser Platte den Grundstein für "Tanzmusik auf Bestellung 4.0" gelegt, heute wäre das wohl ein eigener Digitalradio-Kanal.

Auch Intellektuelle hören gerne eingängige Lieder, machen wir uns nichts vor. Wer nach wie vor auf Udo Jürgens verzichtet und sich an die Schmetterlinge von 1977 nicht mehr erinnern kann, kann ohne schlechtes Gewissen Fuzzman & The Singin’ Rebels, von denen 2016 ein weiteres Album erschienen ist, hören - und wird sich dabei auch noch königlich amüsieren. Ach ja: Zum Tanzen eignet sich die Musik natürlich ganz hervorragend, analog natürlich. Und hoffentlich auch bald wieder live . . .





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2017-06-14 17:50:03
Letzte Änderung am 2017-06-17 10:21:13




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