• vom 25.06.2017, 15:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Pop-CD

Dada-Poesie mit Kommentarfunktion




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Uwe Schütte

  • Der Plan und ihr anspielungsreiches neues Album "Unkapitulierbar".



Unkaputtbar, so zeigt "Unkapitulierbar", sind offenkundig die Burschen von Der Plan, die nun ihre erste Platte in Originalbesetzung vorlegen, seit die drei Helden des deutschen New Wave 1993 auseinandergingen. Das formidable Coverbild stammt von Bandmitglied Moritz R. und ist eine Parodie auf das berühmte Delacroix-Gemälde über die Barrikadenkämpfe während der Julirevolution von 1830: Es zeigt nun das Brüsseler Atomium im Hintergrund, während Moritz R., eine Europafahne schwenkend, die Stelle der barbusigen Marianne einnimmt, dabei flankiert von seinen Kollegen Frank Fenstermacher und Kurt Dahlke a.k.a. Pyrolator.

Information

Der Plan

Unkapitulierbar

(Bureau B/Indigo)

Mit Entschlossenheit führt das Trio sein Volk der Hörer so der Idee musikalischer Freiheit entgegen, für welche die Band von Beginn an einstand. Denn die Flaggen der USA und Großbritanniens, über die Der Plan kurzerhand trampelt, sind offenkundig nicht nur aktuelle Anspielungen auf Trump und Brexit, sondern stehen symbolisch für die popmusikalische Hegemonie Angloamerikas. Insofern liefert die Frage "Was kostet der Austritt?" einen herrlich-ironischen Kommentar zum Brexit: "Wieviel muss ich zahlen / Wann enden die Qualen?"

"Unkapitulierbar" ist ein popmusikalisches Kaleidoskop voller Highlights und Überraschungen, und dies in einem abwechslungsreichen Querschnitt aller möglichen Stile und Genres, unterfüttert von den Plan-typischen Texten zwischen Kinderreim und Dada-Poesie. In "Man leidet herrlich" grooved und dubbed es erstklassig, während der kitschige Text das Stück zu einem schmierig-eleganten Schlager hinbiegt, wie das so elegant sonst nur Justus Köhncke schafft.

Auf "Es heißt: die Sonne" doziert Fenstermacher, unterlegt von einer bezaubernden Melodie - schöner, verspielter Indie-Pop, wie ihn Grizzly Bear auch nicht besser hinbekommen. Das kurze Instrumental "Zu Besuch bei N. Senada" wiederum ist eine verklausulierte Hommage an die Residents und "Der Herbst" ein Ohrwurm, der es sich bei abenteuerlustigen Hörern noch lange gemütlich machen wird. So wie das ganze Album.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-06-22 17:20:10
Letzte Änderung am 2017-06-22 17:43:23



Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Fifty Shades of Crash
  2. "Beleidigen ist zum guten Ton geworden"
  3. 2063
  4. "Ich fühle mich wie ein Kind"
  5. Der Schnitt durch die Leinwand
Meistkommentiert
  1. Walter Hämmerle wird
    "WZ"-Chefredakteur
  2. "Wiener Zeitung"-Geschäftsführer will "Gas geben"
  3. Drama um Daniel Küblböck
  4. Punkt! .
  5. Lamas! Überall Lamas!


Quiz


Tilda Swinton in einem Haute Couture Kleid des Designers Schiaparelli - das sich sogar in den Schuhen und Handschuhen optisch fortsetzt.

Gruppenbild der Jury: Präsident Guillermo del Toro (4.v.l.) gewann im Vorjahr den Goldenen Löwen für "The Shape of Water". Ganz links Venedig-Chef Alberto Barbera im Gespräch mit Christoph Waltz, ganz rechts:Biennale-Präsident Paolo Barratta. Werbung für Die Single "Baby I Love You" im Magazin Billboard 1959.

Sean Godwells Entwurf einer Kapelle erinnert beim ersten Auftritt des Vatikans auf der Architekturbiennale in Venedig auf den ersten Blick an einen aufklappbaren Würstelstand. Shepard Fairey vor seinem Mural am Wiener Flughafen.


Werbung