• vom 06.08.2017, 12:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Pop-CD

In den Echokammern der Komparatistik




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Von Gerald Schmickl

  • "short cuts": Über Vergleiche in der Popkritik - anhand neuer Alben von Day Wave, Mt. Wolf, Asgeir, The Wooden Sky und Dan Auerbach.

Dan Auerbachs Hommage an die 70er.

Dan Auerbachs Hommage an die 70er. Dan Auerbachs Hommage an die 70er.

Vergleiche sind in der Pop-Kritik (und im Pop-Marketing) eines der wesentlichsten Instrumente, um Musik zu beschreiben. "Klingt wie . . ." eröffnet einen imaginären Klangraum, in welchem mittels Ähnlichkeiten ein Koordinatensystem errichtet wird, in welchem der zu besprechende (oder zu bewerbende) Act einzuordnen ist. Dieses System der Verweise ist notgedrungen im Ungefähren und oft Beliebigen angesiedelt, aber als hilfreiches Kriterium unumgänglich.

Da heißt es dann zum Beispiel: "Inspiriert von den Gesangsharmonien der Beach Boys auf der einen und den Songstrukturen von Joy Division und den frühen New Order auf der anderen Seite . . ." Diese hehre - und etwas zu hochgegriffene - Komparatistik gilt dem Debütalbum des Kaliforniers Jackson Philips alias Day Wave ("The Days We Had"), auf dem jener praktisch im Alleingang elf schwungvolle, prächtig ausgestattete Surfpopsongs vom Stapel lässt. Das Genre und der Projektname drängen einen anderen, buchstäblich näher liegenden Vergleich auf: nämlich jenen mit Nada Surf. Der Indiepop dieser wacker gealterten US-Band erfährt von Day Wave eine erfrischende und für den Rest des Sommers jedenfalls gut haltbare Reprise.


Es gibt Künstler und Bands, die mit ihrer originell-originären Klangsprache Standards setzen - und damit zu hoch und gerne gehandelten Vergleichsaktien an der Popbörse werden. James Blake ist dafür ein gutes Beispiel, oder die frühen Fleet Foxes (bevor sie heuer mit ihrem neuen, von der Kritik sehr kontroversiell aufgenommenen Album quasi mit sich selbst in Konkurrenz traten - und für die einen an diesem Bestreben scheiterten, während sie für die anderen glänzend reüssierten). Auch Bon Iver und Sigur Rós sind allseits beliebte Vergleichsgrößen. Das britische Trio Mt. Wolf schafft es auf seinem Debütalbum "Aetherlight", wie beide zu klingen. Während die ersten Songs (speziell Nr. 3, "Soteria") sehr an den US-Musiker Justin Vernon (Bon Iver) erinnern, gleicht sich der Rest immer öfter und intensiver dem sphärisch-solemnen Klang der Isländer an (man höre Nr. 8, lustigerweise "Hex" benannt). Erhebende Musik, mit einem naturgemäßen, auf die Dauer allerdings ermüdenden Hang zu Pathos und Zeitlupe.

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Dokument erstellt am 2017-08-03 16:15:06



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