• vom 31.08.2017, 16:52 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 01.09.2017, 08:56 Uhr

Platten-Cover

Vinyl in unterschätztem Gewand




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Von Viktoria Klimpfinger

  • Die Ausstellung "33 1/3 - Cover Art" huldigt dem Plattencover quer durch die Genres.





Wegen Obszönität beschlagnahmt und in braunen Papiersackerln verkauft - was eigentlich eher an die Prohibitionszeit erinnert, ist lediglich zwei freundlich lächelnden Nackedeis geschuldet: Die panische Ächtung des Adams- und Evakostüms von John Lennon und Yoko Ono auf ihrem Album "Unfinished Music No. 1" aus dem Jahr 1968 beweist einmal mehr die Schlagkraft bestimmter Plattencover. Über Jahrzehnte hinweg ließen sie eifrige Sittenpolizisten immer wieder mit dem schwarzen Balken wedeln und lauthals FSK18+ schreien.

Die "Cover Art"-Ausstellung im Kunstraum Nestroyhof lässt sich davon allerdings herzlich wenig beeindruckt. Sie präsentiert neben der Vorder- auch die Rückseite des Lennon-Ono-Albums, auf der das blanke Duo dem Betrachter auch noch seine Hintern entgegen reckt. Doch kein Grund, gleich die allgemeine Verpixelung auszurufen: Mit 250 Plattenhüllen von den 40ern bis heute hat die von Christine Janicek und Arne Reimer kuratierte Schau noch viel mehr im Angebot als bloße 68er-Podices.

Kaum zu glauben, aber trotz Digitalzeitalter tiriliert die Vinylscheibe ihren Totengräbern seit Jahren ein beherztes Revival. Zwar sind Platten heute mehr retroverliebtes Prestigeobjekt als einzig verfügbarer Tonträger, aber Kult ist nun einmal Kult. Und schließlich avancierte die eine oder andere Plattenhülle, die der Kunstraum Nestroyhof in Form von Leihgaben zeigt, sogar durchaus zur Pop-Ikone. Die im Gänsemarsch über den Zebrastreifen laufenden und nebeneinander in Rollkragenpullis aufgereihten Beatles oder der berühmte Beatles-Schriftzug sind der beste Beweis dafür - wobei das in diesem Fall vielleicht auch eher an, genau, den Beatles liegt.

Als Schnittstelle zwischen Musik, Fotografie, Design und bildender Kunst ist das Plattencover prädestiniert für spartenübergreifenden Austausch. Nicht ohne Grund haben viele namhafte Künstler die Vinylhülle als Medium auserkoren: Auf dem "Sticky Fingers"-Ablum der Rolling Stones schafft Andy Warhol sich und den Rockern ein Denkmal. Der Clou: Im Original besitzt das Cover einen echten Zipp-Verschluss, hinter dem sich eine weiße Unterhose versteckt. Und auch Warhols typische Pop-Art-Banane wächst zuerst auf der Hülle von "The Velvet Underground & Nico".

Doch nicht nur motivisch, sondern auch auf materieller Ebene bietet das Cover eine nahezu unbegrenzte künstlerische Spielwiese: Mit einem Zippo als Hülle (The Wailers: "Catch A Fire") oder einem Pop-up, das einem beim Öffnen entgegenspringt (Jethro Tull: "Stand Up"), hat es fast schon Skulpturales zu bieten. Damit spielt auch das experimentelle Künstlerkollektiv Soviet France. Von Jute über Alufolie bis hin zu Keramik und Dachpappe als Vinyl-Exterieur ist den Geheimniskrämern alles recht, um nicht selbst auf der Platte abgebildet zu sein - man bleibt lieber anonym.


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Dokument erstellt am 2017-08-31 16:57:11
Letzte Änderung am 2017-09-01 08:56:44




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