• vom 07.09.2017, 16:19 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 08.09.2017, 12:04 Uhr

Musik

Mit YouTube-Hilfe ins Formatradio




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Von Mathias Ziegler

  • Der Erfolg der beiden Kabarettisten Paul Pizzera und Otto Jaus mit ihren gemeinsamen Liedern hat auch ihren Produzenten überrascht.

Otto Jaus und Paul Pizzera sind ab Herbst auch als Kabarettduo unterwegs. Die meisten Termine sind ausverkauft.

Otto Jaus und Paul Pizzera sind ab Herbst auch als Kabarettduo unterwegs. Die meisten Termine sind ausverkauft.© Moritz Schell Otto Jaus und Paul Pizzera sind ab Herbst auch als Kabarettduo unterwegs. Die meisten Termine sind ausverkauft.© Moritz Schell

Wenn man die bisherige Genese von "unerhört Solide" betrachtet, dann dürfte das erste gemeinsame Musikalbum der beiden Kabarettisten Paul Pizzera und Otto Jaus zum Topseller werden. Haben es doch die ersten fünf Single-Auskoppelungen (vor kurzem ist eine sechste gefolgt) alle in die Ö3-Charts und drei davon auch in die Top 10 geschafft. Der dritte Song "Jedermann" avancierte gar zum Nummer-1-Hit.

Dabei ist das einfach passiert, sagt Erwin Bader (Tonstudio "Die Fleischerei"), der das Album von Pizzera und Jaus gemeinsam mit Stefan Holoubek (Wolly Records) produziert und arrangiert hat. Er kennt Jaus von seiner Zeit am Kabarett Simpl und wollte schon lange mit ihm zusammenarbeiten. "Als er dann eines Tages zu mir gekommen ist und mir seinen neuen Compagnon Paul Pizzera vorgestellt hat, war mir schon klar, dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass das einigen Leuten gefallen wird. Es war aber nicht darauf angelegt, dass wir bei Ö3 großartig unterkommen. Ich habe das am Anfang auch gar nicht geglaubt", gibt Bader zu, der sich dann natürlich gerne eines Besseren belehren ließ.

"Die beiden pfeifen sich nichts"

Den Erfolg der beiden Nachwuchskabarettisten, die vor einigen Jahren erst einzeln auf der Bühne und dann im Doppelpack auf YouTube und im Radio fast über Nacht durchgestartet sind, kann Bader selbst nicht so wirklich erklären. "Es ist eine Kombination aus Glück, Talent, Können - und ob Montag oder Dienstag ist", meint er dazu lakonisch. Der Produzent schwärmt jedenfalls von den genialen Texten der beiden jungen Künstler: "Und gerade bei deutschsprachigen Liedern ist ja der Text alles." Und ihn begeistert, "dass die beiden Burschen sich überhaupt nichts pfeifen", weshalb die gemeinsame Arbeit im Studio besonders viel Spaß gemacht habe.

Und die beiden erfüllen offenbar auch das, was der langjährige Ö3-Musikexperte Eberhard Forcher, der ihre Songs seit der ersten Auskoppelung "wir gewinnt" im Jahr 2015 verfolgt, als einen der wichtigsten Erfolgsfaktoren nennt: "Du musst mit deinem Song ein Lebensgefühl treffen, etwas thematisieren, das die Leute bewegt, rührt, amüsiert, erwärmt, zum Lachen oder zum Tanzen bringt. Und es sollte echt sein!"

"Lange Durststrecke"

Produzent Bader sieht vor allem im Duo Seiler und Speer oder in der Band Wanda wichtige Wegbereiter für Pizzera und Jaus. "Wobei Seiler und Speer auch zunächst nicht bewusst vorgehabt haben, bei Ö3 zu landen." Ein immer wichtigerer Faktor scheint in diesem Zusammenhang YouTube zu werden: Haben Künstler im Internet genug Klicks gesammelt, kommt irgendwann auch das Formatradio nicht mehr an ihnen vorbei. Genau das war auch bei Jaus und Pizzera der Fall. "Irgendwann gibt es genügend Leute, denen es taugt, und wenn eine kritische Masse erreicht ist, schafft man den Sprung ins Radio", meint Bader.

Forcher sieht das ähnlich: "Bei Seiler und Speer waren die siebenstelligen YouTube-Clicks ein Turbo, so was schafft mediale Aufmerksamkeit. Und wenn ‚Mama‘ von Pizzera und Jaus innerhalb von nur vier Monaten vier millionen Clicks schafft, haben sie sehr viel richtig gemacht."

Insgesamt könnten heimische Künstler seit einigen Jahren wieder leichter reüssieren, glaubt Bader. Er spricht von einer "langen Durststrecke in den 1990ern und 2000ern", der nun "eine Mörderzeit" folge. Hingegen ist Forcher überzeugt: "Für Künstler mit einem Standout-Profil war es eigentlich immer leicht, gestern wie heute. Acts, die man schon während der ersten Takte unter hundert anderen heraushört, haben vieles richtig gemacht. Musiker, die immer noch so klingen wollen wie ihre internationalen Vorbilder, tun sich freilich schwerer."





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-09-07 16:24:05
Letzte ─nderung am 2017-09-08 12:04:52




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