• vom 15.09.2017, 16:55 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 19.09.2017, 16:03 Uhr

Pop

Und Gott fragt: "Was zur Hölle?"




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Von Andreas Rauschal

  • Die flamboyant-ironischen Pop-Eklektiker Sparks und ihr neues Album "Hippopotamus".

Pop mit Nilpferd: die wunderbaren Sparks um die Gebrüder Russell (links) und Ron Mael.

Pop mit Nilpferd: die wunderbaren Sparks um die Gebrüder Russell (links) und Ron Mael.© Elaine Stocki Pop mit Nilpferd: die wunderbaren Sparks um die Gebrüder Russell (links) und Ron Mael.© Elaine Stocki

Man muss es zweifelsfrei erst einmal hinbekommen, auf eine sehr eigene Art und Weise lässig zu altern wie diese Band. Okay, Ron Mael, der Tastenmann und die eine Hälfte der großen, 1972 in Los Angeles gegründeten Pop-Eklektiker Sparks, sieht heute im Alter von 72 Jahren noch in den operettenrockendsten Momenten dieser Musik zwar nach wie vor aus wie sein eigener Buchhalter, der stoisch regungslos so tut, als würde ihn das alles nichts angehen. Das allerdings nennt sich Pose. Sie wurde bereits vor vier Jahrzehnten mit großer Ernsthaftigkeit und mindestens ebenso viel Humor kultiviert und passt bestens dazu, dass das Duo als seltene Ausnahme gleichzeitig sehr flamboyant und dabei ziemlich (selbst-)ironisch sein kann.

Missionarsstellungssong
Zum Thema "lässig altern" ist zusätzlich zu sagen, dass die von Ron Maels jüngerem Bruder Russell (erst 68!) komplettierte Band ihr neues Album "Hippopotamus" (BMG Rights Management) mit der Miniatur "Probably Nothing" beginnt, die eine im Pop nicht unbedingt als Kernsujet bekannte Generationserkrankung namens Altersvergesslichkeit zum Inhalt hat. Mit ihrer mit der eigenen Stellung als Klassiker hervorragend korrespondierenden Verteidigung der Missionarsstellung in Form des geil schneidigen Songs "Missionary Position" aber erklären die Sparks gleich im Anschluss, was gut und gerne jung halten kann - und verbinden eine kleine Kulturgeschichte des Sex mit einer Einführung in die Kunsthistorie: "You might pride yourself, you’re so avant garde. But we’re Neoclassicists, I guess, at heart . . ." Dazu nicht im schärfsten Kontrast steht, dass die Gebrüder Mael mit der aktuellen Singleauskopplung "Édith Piaf (Said It Better Than Me)" angesichts des Themas "schneller Leben, ausgelassener Ausschweifen" konstatieren, jetzt endgültig zu alt für einen frühen Tod zu sein. Diesbezüglich fällt einem wiederum ein, dass der mit 56 Jahren etwas jüngere deutsche Musiker und Autor Sven Regener für seine Band Element Of Crime bereits seit relativ sehr langer Zeit Merchandising-T-Shirts mit der Aufschrift "Too old to die young" drucken lässt.


Jedenfalls sind die Sparks vor mittlerweile tatsächlich sehr langer Zeit damit angetreten, übersteigert theatralischen Glamrock operettenhaft-skurril aufzuladen und zwischen sehr vielen Akkorden und noch mehr Falsettgesang die Vorlage für etwas zu liefern, das von Freddie Mercury und Queen um jede Menge Testosteron, ballaststoffreiche Schwurbelsoli und ein Fußballstadion mit Bierausschank ergänzt zur Massenware abgerockt und hochgejazzt wurde.

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Schlagwörter

Pop, Sparks

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-09-15 17:00:06
Letzte nderung am 2017-09-19 16:03:05




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