• vom 06.10.2017, 15:56 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 09.10.2017, 15:49 Uhr

neues Album

Ein Rabauke zeigt sich reuig




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Von Andreas Rauschal

  • Ex-Oasis-Sänger Liam Gallagher überrascht auf seinem Solodebüt mit versöhnlichen Tönen.

Mitunter wuchtig, aber vor allem auf ruhigere Töne gepolt: Liam Gallagher debütiert 45-jährig als Solo-Act. - © afp

Mitunter wuchtig, aber vor allem auf ruhigere Töne gepolt: Liam Gallagher debütiert 45-jährig als Solo-Act. © afp

Erst vor kurzem erlebte man Liam Gallagher im Rahmen eines YouTube-Videos beim Sich-Beschweren darüber, dass er sich seinen Tee jetzt selbst machen müsse - wo es doch gerade erst in den 90er Jahren noch einen ganzen Personalstab dafür gegeben hätte. Schuld seien neben dem Internetz vor allem wir selbst mit unserer als Neigung zum illegalen Download manifestierten Geiz-ist-geil-Mentalität. Es würde sich bei uns demnach um "Fuckers" mit drei Rufzeichen handeln. Okay.

Weil man Liam Gallagher vor allem vom Liam-Gallagher-Sein her kennt, könnte man das alles zwar für bare Münze nehmen. Allerdings spielte der heute 45-jährige, ehemals mit Oasis allerweltsbekannte Sänger hier zu offensichtlich mit einer ihm sonst eher nicht eigenen Selbstironie bezüglich seiner Rolle als Rüpel. Diese äußerte sich neben einer gerne gelangweilt-arroganten bis lustlosen Bühnenpräsenz mit fragwürdigen Haltungsnoten nicht nur in mit Fäusten ausgetragenen Argumenten gegen jeden, der in seinem immerwährenden "Eins in die Fresse!"-Gesicht eine offene Herausforderung erkannte.


Steigerungsformel und Hippie-Sitzkreis
Vor allem die alte Steigerungsformel Feind, Todfeind, Parteifreund wäre bei Oasis mit "Bandfreund" am Ende perfekt ins Rock-’n’-Roll-Metier übertragen gewesen - hätte es sich bei Liam Gallaghers internem Hassobjekt aus Fleisch und Blut nicht um seinen als Hauptsongwriter angestellten Bruder Noel gehandelt. Zwischen Handgreiflichkeiten und verbalen Radikalprovokationen waren Oasis bereits von Anbeginn an Unguided Missiles und tickende Zeitbomben. Und gerade dieser Tage muss man auch darüber nachdenken, dass die Gallagher-Brüder als Zweck- und Zwangsbündnis im großkoalitionären Sinn auch ohne externe Beratung Dirty Campaigning gegen sich selbst betrieben. Das war nicht schön anzusehen. Jedenfalls ging dabei, wir kennen das, der Gesprächsstoff nie aus.

Rückblickend grenzt es an ein mittleres Wunder, dass die Arbeitsbeziehung 18 Jahre lang hielt, bevor Noel Gallagher Oasis im Jahr 2009 endgültig verließ. Liam Gallagher machte mit der in Beady Eye umbenannten Restband weiter und veröffentlichte mit dieser zwei Alben, ehe es 2014 zur Trennung kam. Sein Bruder gründete das - wie Beady Eye weit unter der Reichweite von Oasis gebliebene - Projekt Noel Gallagher’s High Flying Birds, das Ende November seinen dritten Streich "Who Built The Moon?" auf den Markt bringen wird. Bereits jetzt legt Liam wiederum mit seinem in mindestens zwei- oder dreifacher Hinsicht überraschenden Debütalbum als Solo-Act vor. Über die (un-)mögliche Genese eines solchen verlautbarte der Sänger im Jänner des Vorjahres zwar, er sei bitteschön keine "cunt". Die Bestätigung des Albums kam wenig später gleichfalls ruppig, aber abermals selbstironisch daher. "It’s official I’m a cunt LG x." Über Twitter als bevorzugte Spielwiese verhaltensauffälliger Egos dann ein andermal mehr.

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neues Album, Liam Gallagher

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-10-06 16:00:05
Letzte Änderung am 2017-10-09 15:49:05



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