• vom 15.10.2017, 10:30 Uhr

Pop/Rock/Jazz


Pop-CD

Hinwendung zu Moll




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Andreas Walker

  • Wolf Parade aus Kanada feiern mit dem Album "Cry Cry Cry" ein Comeback.



Die Welt ist ein trauriger Ort. "Who turned out the sun?", singt Dan Boeckner demgemäß in "Artificial Life" über die künstliche Nacht, in welcher virtuelle Paradiese und Konsumwahn die Realität dominieren. Die Verachtung gegenüber dem Souverän und die damit in Zusammenhang stehende Enttäuschung über die gegenwärtige Politik spitzt sich in "King Of Piss And Paper" zu. Es ist zum Heulen: "Cry Cry Cry".

Information

Wolf Parade

Cry Cry Cry

(Sub Pop/Cargo)



Wolf Parade brachten sich bereits im letzten Jahr mit ihrer "EP 4" nach sechsjähriger Pause wieder in Erinnerung. Jetzt legen Spencer Krug und Boeckner zusammen mit Dante DeCaro und Arlen Thompson ihr mittlerweile viertes, von John Goodmanson (Blonde Redhead, Sleater-Kinney) produziertes Album vor. Die Musik der Kanadier hatte stets etwas unverschämt Verspieltes, als hätte man ein Kind beim freudvollen Verwüsten seines Zimmers erwischt, nun jedoch mischen sich vermehrt auch graue Schattierungen in die Komposi-tionen.

Wenn Krug seines Landsmanns Leonard Cohen, der am 7. November 2016 - also einen Tag vor der indirekten Wahl Donald Trumps zum 45. US-Präsidenten - verstarb, in einem von David Bowie inspirierten Stück gedenkt ("Valley Boy"), so kann man die Zeile "Did you know that it was all gonna go wrong?" kaum anders denn als Anspielung auf die politischen Verhältnisse verstehen. Dass insbesondere Krug dem "Thin White Duke" viel zu verdanken hat, wird auch mit "Lazarus Online" unterstrichen, in welchem mit den Worten "Let’s fight / Let’s rage against the night" gegen den Tod protestiert wird.

Wolf Parade ist gerade wegen der Hinwendung zu Moll mit wenigen Ausnahmen ein kleines Meisterwerk gelungen. Dabei sind die Songs alles andere als getragen. Selbst in "Files On The Sun", das wie eine Ballade aus den 50er Jahren beginnt, werden die Ins-trumente wie Spielzeuge übereinander gestapelt, und in "Baby Blue" durchkreuzen billige Orgelklänge jegliche Dramatik. Wer den Sommer zeitlos verlängern möchte, ist bei "Cry Cry Cry" wunderbar aufgehoben - was im Übrigen auch für alle anderen Alben der Band gilt.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-10-12 16:43:12
Letzte Änderung am 2017-10-12 17:10:02



Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Damals, als alles einfacher war
  2. Jimmy Bennett bekräftigt Vorwürfe gegen Asia Argento
  3. Michel Houellebecq heiratet in aller Stille
  4. 2063
  5. Tamtam ums Tutu
Meistkommentiert
  1. Walter Hämmerle wird
    "WZ"-Chefredakteur
  2. Punkt! .
  3. "Beleidigen ist zum guten Ton geworden"
  4. Mehr Geld für Kunst und Kultur
  5. Die Liebe als verzweifelter Imperativ


Quiz


Tilda Swinton in einem Haute Couture Kleid des Designers Schiaparelli - das sich sogar in den Schuhen und Handschuhen optisch fortsetzt.

Gruppenbild der Jury: Präsident Guillermo del Toro (4.v.l.) gewann im Vorjahr den Goldenen Löwen für "The Shape of Water". Ganz links Venedig-Chef Alberto Barbera im Gespräch mit Christoph Waltz, ganz rechts:Biennale-Präsident Paolo Barratta. Werbung für Die Single "Baby I Love You" im Magazin Billboard 1959.

Sean Godwells Entwurf einer Kapelle erinnert beim ersten Auftritt des Vatikans auf der Architekturbiennale in Venedig auf den ersten Blick an einen aufklappbaren Würstelstand. Shepard Fairey vor seinem Mural am Wiener Flughafen.


Werbung