• vom 29.10.2017, 16:50 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 29.10.2017, 16:54 Uhr

Pop-CD

Musikalische Türen in mögliche Zukünfte




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Von Uwe Schütte

  • Andreas Spechtl und sein in Teheran aufgenommenes zweites Soloalbum.



Am Ende der furiosen Suadaauf "Futur II", dem vorerst und vielleicht letzten Song von Ja, Panik, beschwört Andreas Spechtl "Echo und Nachhall vergangener Zeiten, verschwundener Plätze, in der Zukunft versteckte Länder und Orte." Die Zukunft gehört zu den zentralen Phantasmen der Popmusik, seit Kraftwerk und Afro-Futuristen utopische Räume sonisch zu erkunden begannen, um einen Widerhall des Kommenden hörbar zu machen. Lange schon vor dem Kulturwissenschafter Mark Fisher hat der deutsche Autor Heiner Müller festgestellt, dass die Zukunft sich aufgelöst hat, damit an ihre Stelle eine immerwährende Gegenwart rücken konnte.

Information

Andreas Spechtl

Thinking About Tomorrow, And How To Build It

(Bureau B/Indigo)

Andreas Spechtl & Saba Alizadeh treten live am 1. November im Rhiz in Wien auf.

Man wünscht sich daher zurück in Zeiten, wo es noch nach vorne ging, doch gegen die Permanenz der Gegenwart hilft kein Drehen an der Uhr.

Deutlich hörbar ist das in der aktuellen Popmusik, die fast nur von Retromanie-Impulsen lebt und Mut zu Aufbruch, Experiment und Neuem eigentlich nicht mehr kennt. Spechtl aber ist eine Ausnahme, und das allumfassende Lob, auf das sein Solodebüt "Sleep" (2015) stieß, war die verdiente Belohnung dafür. Bereits zwei Jahre später folgt nun eine weitere bestechende Soloplatte: "Thinking About Tomorrow, And How To Build It" entstand in der Millionenmetropole Teheran, wo Spechtl im Winter 2016 mehrere Monate verbrachte. Eine Stadt, in der eigentlich alles verboten ist, was mit Pop in Zusammenhang steht. Daher der Rückzug ins Private: "Hidden Homes" lautet ein Songtitel.

Doch unter einem derart repressiven Regime kann die Zukunft noch ein Potential für Verbesserung enthalten. In seinem Teheraner Studio hat Spechtl von alten Kassetten die Sounds iranischer Instrumente gesampelt, elektronisch verfremdet und zu hauntologischen Loops zusammengefügt.

Eine Musik, die zurück auf den futuristischen Krautrock verweist und stille Ambientpassagen enthält. Dazwischen erklingen wehmütige Saxofonklänge wie auch verwischte Erinnerungen und immer wieder der distanziert wirkende Gesang des Musikers. Eine Platte voller musikalischer Türen in mögliche Zukünfte, quasi "Future Memories" einer nicht eingelösten Vergangenheit.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-10-25 16:47:10
Letzte Änderung am 2017-10-29 16:54:31



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