• vom 04.11.2017, 09:00 Uhr

Pop/Rock/Jazz

Update: 04.11.2017, 17:21 Uhr

Interview

Grubenblues mit Gipfelkreuz




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Enge Berge, weites Land

Der Enge der Berglandschaft stellt Paul Plut auf den zehn übrigens auf "Schladmingerisch" eingesungenen (und sehr gerne auch gehauchten und gewisperten) Dialektsongs durchaus radikale landschaftliche Kontraste entgegen. Mit satten Twanggitarren sowie Staubwüsten-Folk und grummelndem Grubenblues öffnet sich die Stimmung - und verströmt ein Gefühl der endlosen amerikanischen Weite. "Das kommt von der Musik, mit der ich aufgewachsen bin. Cave, Waits, PJ Harvey und Dylan im Selbststudium. Auch die haben sich in Hinblick auf die amerikanische Weite zurückgegraben: Wo kommt das her? Man stößt dann recht schnell auf den Musikethnologen Alan Lomax. Musik als Feldforschung."

Die bereits angesprochene spirituelle Note schleicht sich in die Songs aber nicht nur über Gospelanklänge ein. Am deutlichsten wird das bei einer Großtat namens "Vota", die einen Zwiespalt eröffnet: Es geht um die Sehnsucht nach einer Liebe, die gleichzeitig aber hart und autoritär ist. Das ist relativ alttestamentarisch.

Andacht in der Buschenschank

Es drängt sich die Frage auf, ob Paul Plut durch eine katholische Erziehung gehen musste. "Mit dem Lied ist auf jeden Fall das Alte Testament und ein bestrafender Gott gemeint. Religiosität hat bei uns zu Hause aber überraschenderweise keine Rolle gespielt, obwohl mein Vater Theologie studiert hat und ich inmitten einer römisch-katholischen Region aus einer protestantischen Gemeinde stamme, die sehr stolz auf ihren Glauben ist. Anfänglich war ich aber recht gefesselt von der Mystik im Katholizismus, die in den Orthodoxen Kirchen noch stärker ausgeprägt ist."

"Musik, Text, Aufnahme, Mix und Master: Paul Plut" - so wird im Booklet übrigens erklärt, dass man sich das aktuelle Projekt des Steirers als One-Man-Show vorstellen muss. "Das klingt jetzt etwas esoterisch, aber: Nehmen wir das Bild eines Ideenflusses her. Man formt eine Schüssel mit den Händen, greift in den Fluss, zieht die Essenz raus und transportiert sie. Je mehr Menschen dich dabei anrempeln, desto weniger bringst du heim. Diesmal musste ich nur meinen eigenen Vorstellungen gerecht werden - das war auch harte Arbeit, aber wie hat es Tom Waits einmal formuliert? ,Wenn ein Studiotag nicht damit endet, dass du danach offene Kniescheiben hast und dir der Schädel brummt, dann war er nicht erfolgreich.‘ Texte schreiben beispielsweise, ist für mich ein sehr starkes innerliches Schwitzen."

Auch live war Paul Plut bisher buchstäblich solo aktiv. "Ich habe ein eigenes Set-up um eine Stompbox zusammengezimmert. In Zukunft werde ich aber auch Musikerinnen in meine Show einbeziehen und möchte je nach Rahmen reagieren können. Ich habe ja bereits an sehr unterschiedlichen Orten gespielt: in Kirchen ebenso wie in einer Buschenschank. Bei Letzterer wusste ich anfangs nicht so recht, was mich erwarten würde. Allerdings ist der Rausch ein großer Freund der Traurigkeit, und es ist dann auch dort sehr andächtig geworden."

Bei allem Hang zum Schweren darf am Ende eines nicht vergessen werden: Dass die Albumpräsentation am Mittwoch (8. November, Beginn: 20 Uhr) ausgerechnet in der Wiener Sargfabrik stattfindet, ist kein reiner Zufall. Humor hat Paul Plut nämlich auch.


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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-11-03 16:11:09
Letzte Änderung am 2017-11-04 17:21:12



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